Die Taliban haben das Zentrum von Kabul angegriffen. Das ist keine Verzweiflungstat, sondern ein Zeichen der Stärke. Denn es ist den Taliban gelungen, in den am schwersten bewachten Teil der Stadt vorzudringen. Auch der Zeitpunkt ist gut gewählt.

Am Montag nämlich sollte Präsident Hamid Karsai sein Regierungskabinett erneut dem Parlament vorstellen – bei der ersten Präsentation am 6. Dezember hatte das Parlament die Mehrheit seiner Kandidaten abgelehnt; auch diesmal hatte Karsai wenig Erfolg. Zehn seiner Kandidaten fielen durch. Karsai hat nur 14 der insgesamt 25 Ministerien besetzt, und das Parlament geht in die Winterpause. Das kann man durchaus bildlich nehmen. Die so dringend benötigen Reformen liegen auf Eis.

Am 28. Januar wird die Afghanistankonferenz stattfinden. Dort will die internationale Gebergemeinschaft noch einmal einen Anlauf unternehmen, den Afghanistaneinsatz zu "retten". Dazu aber braucht sie Partner vor Ort – wenn schon nicht eine korruptionsfreie, so doch zumindest eine funktionierende Regierung. Weder das eine noch das andere scheint es derzeit in Kabul zu geben. Dafür aber dringen beunruhigende Bilder aus Kabul zu uns – es sind Bilder vom Krieg im Herzen der Stadt.

Ein Beitrag aus dem Weblog von Ulrich Ladurner