Ali al-Dabbagh wurde 1955 in Kerbala geboren und ist seit vier Jahren Regierungssprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Er floh als junger Mann 1977 aus dem Irak und lebte bis 2003 in Dubai, Großbritannien und Kanada. Nach der US-Invasion und dem Sturz von Saddam Hussein kehrte der promovierte Verwaltungswissenschaftler in seine Heimat zurück. Zunächst arbeitete er zwei Jahre als Sprecher von Großajatollah Ali Al Sistani, der höchsten religiösen Autorität des Landes. Gleichzeitig war er Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung. 2005 zog er in das irakische Parlament ein. Der 55-Jährige ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren.

Frage: Am Sonntag, den 7. März, wählen die Iraker ein neues Parlament und eine neue Regierung. Zurückgeblickt auf vier Jahre Regierung Nuri al-Maliki - was war der größte Erfolg und was war der größte Misserfolg?

Al-Dabbagh: Wir konnten das Land herausführen aus einer bürgerkriegsähnlichen Situation – das war unser größter Erfolg. Extremisten und Terroristen haben versucht, die Gefühle der religiösen und ethnischen Gruppen immer weiter anzuheizen und so das Land in eine Selbstzerfleischung hineinzutreiben. Das ist ihnen nicht gelungen.

Frage: Und die Misserfolge?

Al-Dabbagh: Wir haben es nicht geschafft, bei Sicherheit, Infrastruktur und Versorgung der Bevölkerung ausreichend voranzukommen. Der Grund dafür ist eine ungesunde Eigenschaft unseres politischen Systems. Alle Minister werden von den Regierungsparteien nominiert, manche aber sind unqualifiziert und inkompetent. Entsprechend ineffizient war die Arbeit ihrer Ministerien. Der Kulturminister zum Beispiel war ein ehemaliger Terrorist. Er ist inzwischen außer Landes geflohen. Nach einem halbem Jahr haben wir herausgefunden, dass er eigenhändig getötet hat - ein Mörder im Kabinett. Aber er war von seiner Partei für dieses Amt benannt worden. Ähnliche Skandale gab es auch im Parlament: Dort saßen mehrere Abgeordnete mit eindeutigen Verbindungen zu al-Qaida. Drei von ihnen werden heute von Interpol gesucht.

Frage: Aber die größte Sorge der Menschen bleibt die mangelnde Sicherheit.

Al-Dabbagh: Das Innenministerium hatte eine schwierige Ausgangslage. Zu Beginn unserer Regierung gab es für vier Polizisten nur eine einzige Waffe. Wir haben unsere Sicherheitskräfte Zug um Zug besser ausgerüstet und bewaffnet. Insgesamt leisten sie gute Arbeit. Trotzdem gibt es noch immer Einheiten, wo schwere Menschenrechtsverletzungen vorkommen. Teile der Polizei haben Verbindungen zu Milizen, organisiertem Verbrechen und zu alten Zirkeln der Baath-Partei. Wir haben inzwischen 65.000 Leute bei Polizei und Sicherheitskräften entlassen. Trotzdem sind wir der Missstände noch nicht vollständig Herr geworden. Wir sind eine Demokratie – wenn auch erst in ihren Anfängen. Für den Irak könnte Deutschland Vorbild sein. Auch Deutschland lag nach dem Zweiten Weltkrieg total am Boden. Auch Deutschland hatte einen Verrückten an der Spitze, der das Land zerstört hat. Und trotzdem hat sich Deutschland aus diesen Problemen wieder herausgearbeitet.