Es ist ein weiterer ernster Vorfall nach der Kundus-Affäre: Während eines gemeinsamen Einsatzes einer amerikanischen Spezialeinheit und afghanischer Sicherheitskräfte in Nordafghanistan wurden irrtümlich nicht die angreifenden Taliban, sondern afghanische Polizisten durch eine Rakete getötet. Der Einsatz fand in einer Ortschaft nordwestlich des deutschen Feldlagers in Kundus statt. Während der Aktion griffen Taliban-Kämpfer die amerikanischen Truppen an, woraufhin diese Luftunterstützung anforderten. Der Kampf-Jet bombardierte daraufhin fälschlicherweise ein Polizeifahrzeug, alle Insassen starben. Die Opferzahl beläuft sich laut Spiegel Online auf sieben Personen. Die Aktion fand unter dem Mandat Operation Enduring Freedom (OEF) statt, an dem sich Deutschland in Afghanistan nicht mehr beteiligt.

Das Unglück wirft einmal mehr Fragen nach den Verantwortlichkeiten im deutschen Einsatzgebiet auf. Deutschland führt das Regionalkommando Nord unter dem Mandat der Isaf, die OEF-Operationen der Amerikaner laufen parallel dazu.

Laut einem Sprecher der Bundeswehr finden derartige Aktionen der USA im deutschen Verantwortungsbereich immer wieder statt. Gleichzeitig betonte er, dass weder deutsche Truppen an der Aktion beteiligt waren, noch die deutsche Luftleitzentrale um Unterstützung gebeten wurde.

Der Vorfall ist ein Rückschlag für die Bemühungen der Nato, den Schutz der afghanischen Bevölkerung in den Vordergrund des Afghanistaneinsatzes zu stellen. Vor einigen Monaten hatte der Isaf-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal deshalb eine Richtlinie erlassen, nach der Luftschläge, bei denen zivile Opfer nicht ausgeschlossen werden können, zu unterlassen sind.

Trotzdem kommt es immer wieder zu tödlichen Fehlschlägen. Der vom deutschen Oberst Georg Klein befohlene Luftangriff auf zwei entführte Tanklaster war darunter der verheerendste. Mindestens 142 Menschen starben, darunter viele Zivilisten. Doch auch im Zuge der US-geführten Offensive im südafghanischen Mardscha gibt es immer wieder zivile Opfer. Bei einem Raketenangriff wurden direkt zu Anfang der Operation zwölf Zivilisten getötet.