"Europa wird Griechenland helfen, sich selbst zu helfen", sagte Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied des EZB-Rats, im italienischen Fernsehen. Er fügte hinzu: "Es ist möglich, dass dafür Geld benötigt wird." Die Summe werde aber unter den jüngst vom Magazin Der Spiegel genannten 20 bis 25 Milliarden Euro liegen.

Die deutsche Bundesregierung sowie die EU-Kommission hatten sich in dieser Frage bislang bedeckt gehalten. Noch am Montag hatte ein Kommissionssprecher gesagt, dass es in der EU keine Pläne für ein milliardenschweres Hilfspaket gebe. Auch die Bundesregierung teilte mit, es seien weder Entscheidungen noch Vorfestlegungen getroffen worden, ob, wie oder in welchem Umfang Griechenland geholfen werde. Das Finanzministerium in Berlin machte deutlich, man werde zu gegebener Zeit über neue EU-Regeln und Sanktionsmechanismen nachdenken müssen.

Bini Smaghi äußerte sich auch zu diesem Punkt. Der Italiener, der zugleich auch im EZB-Direktorium sitzt, sprach sich für schärfere Kontrollen des Finanzgebarens der Euro-Länder aus. Die Kontroll- und Disziplinierungsmechanismen hätten nicht so funktioniert, wie sie sollten. "Der Stabilitätspakt sollte vielleicht etwas verschärft werden", sagte der Währungshüter. "Besonders für Länder, die schnell wachsen und ihre Defizite dennoch nicht senken."

Nach Ansicht der Führung in Athen ist die EU jedoch an der angeschlagenen griechischen Haushaltslage nicht unbeteiligt: Der Regierungssprecher Georgios Petalotis warf dem Bündnis vor, die Augen vor den finanziellen Schwierigkeiten des Landes verschlossen zu haben. "Die EU-Kommission hatte die Aufgabe zu wissen, ihre Kontrollen zu machen, und meine Überzeugung ist, dass sie die Fakten kannte", sagte er dem Radiosender Kanal 1. Die Kommission habe sicher einschätzen können, was "tatsächlich" mit der griechischen Wirtschaft los gewesen sei.

Griechenland hatte jahrelang geschönte Angaben über seinen Schuldenstand an die EU gemeldet und so das Ausmaß seiner Haushaltskrise verschleiert. Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou kam Anfang Oktober an die Macht und musste sehr schnell die Angaben der Vorgängerregierung gegenüber Brüssel revidieren. Der Mittelmeerstaat hat inzwischen Verbindlichkeiten in Höhe von 300 Milliarden Euro angehäuft, das Haushaltsdefizit beläuft sich auf 12,7 Prozent.

Einem Beschluss der EU zufolge muss Griechenland nun das Minus im laufenden Jahr um vier Prozent senken. Bis 2012 soll die Neuverschuldung wieder auf die EU-Höchstgrenze von drei Prozent kommen. Die Regierung in Athen will dies mittels Steuererhöhungen und einem rigiden Sparkurs bewerkstelligen.