Aus niederländischer Binnensicht heraus hätte es jeder beliebige Grund sein können, der diese Regierung auseinandersprengt. Drei Jahre lang regierte die Koalition aus Christdemokraten, Sozialdemokraten und konservativer Christen-Union, ohne dass man den Eindruck hätte gewinnen können, sie wolle das Land nach den politischen Verwerfungen des vergangenen Jahrzehnts stabilisieren. Nun scheitert sie an unterschiedlichen Vorstellungen zur Afghanistan-Politik.

Seit der später ermordete Rechtspopulist Pim Fortuyn Anfang des Jahrhunderts die holländische Konsensdemokratie durcheinander wirbelte, schwankt das Land zwischen den Extremen. Mal gewann Fortuyns Partei eine erschreckend hohe Zahl an Parlamentssitzen, mal waren es die ebenso populistischen Sozialisten, die die Wut der Bevölkerung zu bedienen und zu nutzen verstanden. Zuletzt hat wiederum ein Rechtspopulist und Islamverächter, Geert Wilders, großen Auftrieb erfahren. Umfragen sagen ihm voraus, er könne bald eine der größten Fraktionen im Parlament stellen, sollte nun neu gewählt werden.

In diesem wilden Schwanken zwischen den Extremen hat Ministerpräsident Jan Peter Balkenende ständig versucht, der politischen Mitte Gewicht zu verleihen. Mal koalierte er mit der rechtsliberalen VVD und der Liste Pim Fortuyn, dann wieder bildeten seine Christdemokraten mit der VVD und der linksliberalen D66 ein bürgerliches Bündnis. Zuletzt ließ er sich auf eine große Koalition mit den Sozialdemokraten ein, die allerdings der Hilfe der kleinen Splitterpartei ChristenUnie bedurfte, um überhaupt mehrheitsfähig zu sein. Alle diese Bündnisse waren von extremen Spannungen und dem Kampf um Partikulärinteressen geprägt.

Nun wird es spannend: Bleibt den Christdemokraten überhaupt noch ein Partner übrig? Werden bald schon diese oder jene Populisten in Den Haag das Zepter führen?

Wen letztere Vorstellung noch nicht genug gruselt, sollte auf ein weiteres Signal achten, das dieser Regierungssturz weit über die Grenzen Hollands hinaus sendet. Das erste Mal zerbricht eine Regierung an der unterschiedlichen Haltung ihrer Mitglieder zum Afghanistan-Einsatz, jenem lange Zeit von allen für moralisch richtig gehaltenen Krieg, in dem schon 21 niederländische Soldaten ihr Leben ließen.