Der nigrische Oberst Goukoye Abdoulakarim war umringt von entschlossen dreinschauenden Offizieren, als er seine Fernsehansprache verlas. Das Militär habe einen "Obersten Rat für die Wiederherstellung der Demokratie" gegründet, der ab sofort den Staat führe. Präsident Mamadou Tandja sei abgesetzt. Die Bürger forderte er zur Ruhe auf. Das Fernsehen berichtete, die Grenzen seien geschlossen und eine Ausgangssperre sei in Kraft.

Staatspräsident Tandja wird offenbar mit weiteren Regierungsmitgliedern in einer Kaserne nahe der Hauptstadt Niamey festgehalten. Inzwischen ist der Geschwaderkommandeur Salou Djibo zum Chef der Militärjunta ernannt, wie die Putschisten verkündeten.

"Es geschah nach einer Kabinettssitzung", sagte ein französischer Diplomat zum Beginn des Putsches. Eine Augenzeugin schilderte, fast eine halbe Stunde lang seien ununterbrochen Gewehrfeuer und "gewaltige Explosionen" in Niamey zu hören gewesen. "Das Haus hat gewackelt", sagte die Französin Claire Deschamps. Ein BBC-Reporter berichtete, es sei Rauch über dem Dach des Raumes zu sehen gewesen, in dem Tandja seine wöchentliche Kabinettssitzung hielt.

Die französische Regierung rief die im Niger lebenden Franzosen auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Die Fluggesellschaft Air France setzte ihre Flüge nach Niamey aus.

Tandja regiert seit 1999. Die Partei des 71-jährigen Präsidenten hatte im Oktober die Parlamentswahl klar gewonnen. Die Opposition hatte die Abstimmung allerdings boykottiert, nachdem der Staatschef im Mai 2009 das Parlament aufgelöst hatte. Damit machte er den Weg für ein umstrittenes Referendum über eine Verfassungsänderung frei, das ihm eine Verlängerung seiner eigentlich im Dezember ausgelaufenen Amtszeit bis 2012 ermöglichte. Nach zwei Amtsperioden hätte er nicht mehr kandidieren dürfen. Die internationale Gemeinschaft hatte mehrfach vergeblich versucht, Tandja von der Volksabstimmung abzuhalten.

Die Afrikanische Union zeigte sich besorgt über den mutmaßlichen Putschversuch. AU-Kommissionspräsident Jean Ping verurteilte die "gewaltsame Machtergreifung" und forderte eine "schnelle Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung". AU- Friedenskommissar Ramtane Lamamra sagte, die Afrikanische Union verurteile jegliche Anwendung von Gewalt, um einen Politikwechsel herbeizuführen. Dies gelte für Niger genauso wie für andere Länder. Während die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas den Putsch verurteilte, äußerten sich nigrische Oppositionspolitiker in der BBC vorsichtig optimistisch. Der Putsch könne auch ein neuer Anfang sein, da unter Tandja demokratische Regelungen ausgehebelt worden seien, sagte ein Vertreter der sozialistischen Partei.