Die Schweizer sind höfliche Menschen, die mit Worten nicht wuchern. Deshalb klingt ihre Empörung über die Absicht der deutschen Regierung, die geklauten Daten von 1500 deutscher Kunden Schweizer Banken zu kaufen, dann so: "Generell halten wir es für ziemlich schwierig, wenn ein Rechtsstaat illegale Daten verwendet." Das sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard, nachdem die Sache am Montag ruchbar geworden war.

Auch der Widerstand des Finanzministers Hans-Rudolf Merz wirkte nicht gerade furchterregend: Die Schweiz werde keine Amtshilfe leisten, wenn dies Deutschland aufgrund der illegal erworbenen Daten verlange. Innenminister Didier Burkhalter rief am Dienstag gar zur Besonnenheit auf, nachdem Politiker quer durch die Parteien gegen das Vorhaben der deutschen Behörden protestiert hatten.

In Wirklichkeit aber denken viele Schweizer wesentlich weniger diplomatisch. Dies wird in Online-Kommentaren, Leserbriefen oder im direkten Gespräch deutlich. Viele Bürger finden wie ihre Politiker, Deutschland mache sich mit dem Kauf der Daten zum Hehler von Diebesgut. Recht sei offenbar, wenn es dem deutschen Staat nütze – und das in einem Land, das oft die Moral für sich gepachtet zu haben scheint.

Die meisten Schweizer verlangen, Deutschland müsse die unterschiedlichen Rechtsordnungen respektieren. Das Bankgeheimnis ist für sie nun mal ein heiliges Gesetz, ein Gesetz zumal, das den Bürger vor staatlicher Kontrolle schützt. Und zwar seit den 1930er Jahren. Damals hatte es den Nebeneffekt, dass jüdisches Eigentum in der Schweiz vor den Nazis gerettet werden konnte.

Viele Eidgenossen kehren die Argumentation auch einfach um. Deutschland habe doch ein Problem, wenn so viele Bürger ihr Geld lieber ins steuergünstigere Ausland bringen. Der deutsche Staat sei offensichtlich zu gefräßig.

Hier prallen zwei unterschiedliche Staatsauffassungen aufeinander: Für die Schweizer ist der Staat eher Diener des Bürgers, in Deutschland geht die Tendenz in die umgekehrte Richtung.

Aber allen Abwehrreflexen zum Trotz wird die Schweiz auf Dauer nicht an ihrem Bankgeheimnis festhalten können. Denn der Druck aus dem Ausland lässt nicht nach. Weltweit haben Deutsche schätzungsweise 485 Milliarden Euro im Ausland geparkt, ergab eine Studie der Unternehmensberatung BBW. Davon sollen rund 175 Milliarden Euro, also mehr als ein Drittel, in der Schweiz lagern. (In Luxemburg sollen es zum Vergleich 85 Milliarden Euro sein, in Österreich 70 Milliarden.) Von diesen Geldern ist der größte Teil unversteuert. Die Herkunfsstaaten, die unter den Folgen der Finanzkrise ächzen, fordern ihren Anteil. Und das immer energischer und – siehe Deutschland – ohne Zurückhaltung in der Wahl der Mittel.