Der 6. Januar dieses Jahres markiert den Kurswechsel in der US-amerikanischen Entwicklungspolitik. US-Außenministerin Hillary Clinton strich an diesem Tag in einer programmatischen Rede im Center for Global Development in Washington das nationale Interesse an nachhaltiger globaler Entwicklung und die politisch-strategische Rolle der Entwicklungspolitik deutlich hervor: Es gehe nicht nur um humanitäres Engagement, sondern um die Sicherung politischer und wirtschaftlicher Stabilität und die Lösung globaler Probleme. Entwicklungspolitik mit dieser Zielsetzung sei gleichrangig in einer Reihe mit der Außen- und Sicherheitspolitik (diplomacy-defense-development), sie haben einen whole of government approach. Entwicklungspolitik ist demnach nicht Aufgabe eines Fachressorts, sondern der gesamten Regierung. Man wird sehen, wie dieser Ansatz etwa beim Wiederaufbau von Haiti umgesetzt werden wird.

Wer allerdings geglaubt hatte, die neue Regierung würde einen stärkeren multilateralen Akzent setzen, sieht sich getäuscht. Es gehe um "…American Know-how, American dollars, American values..." (Clinton), nur mit diesem vorrangig bilateralen Anspruch könnten die notwendigen Mittel im Kongress zu mobilisieren sein werden. Das hat seinen Grund: der amerikanische Steuerzahler ist nicht mit Zuwendungen zu multilateralen Organisationen oder koordinierten Aktionen der Gebergemeinschaft zu gewinnen.

Unter der Bush-Administration noch war Entwicklungspolitik kein wichtiges Thema. Doch ist das Entwicklungsbudget in dieser Periode angestiegen, und das nicht nur zugunsten von Afghanistan und Irak. Auch die Hilfe für Afrika wurde deutlich gesteigert, nicht zuletzt auch um ein Gegengewicht zur öffentlichen Wahrnehmung der USA als dominante Militärmacht zu schaffen. Die Anti-AIDS-Initiative PEPFAR und der Millennium Challenge Account waren entwicklungspolitische Initiativen, mit denen die US-Entwicklungspolitik in dieser Periode hervorgetreten ist. Beide mit dezidiert nationalem Akzent und kaum mit anderen Gebern koordiniert. Die staatliche US-Entwicklungshilfebehörde USAID war in dieser Zeit weitgehend von der internationalen Bildfläche verschwunden.

Dagegen soll USAID heute wieder eine weltweit führende Entwicklungsagentur werden und eng mit der Diplomatie und dem Militär zusammenarbeiten. Die außenpolitischen Einflussmöglichkeiten sollen mobilisiert werden, um Entwicklungsprogramme gegenüber Widerständen in den Partnerländern durchzusetzen. Die Förderung von Demokratie und guter Regierungsführung durch die Entwicklungspolitik soll die amerikanischen außenpolitischen Ziele unterstützen. In fragilen Staaten arbeiten Militär und Entwicklungshilfe eng zusammen. Dass die USA einen derart integrierten außenpolitischen Kurs fährt, ist sicher nicht neu. Neu ist aber, dass die Entwicklungspolitik eine prominentere Rolle erhält und der Nexus zwischen Entwicklung und Sicherheit deutlich stärker herausgestellt wird.

Zum whole of government- Ansatz gehört auch die Koordinierung der internationalen Aktivitäten der Fachressorts, beispielsweise Umwelt, Landwirtschaft, Gesundheit. Dem Außenministerium und USAID wird die Aufgabe zugeschrieben, die internationale Zusammenarbeit in allen Feldern zu führen, zu koordinieren und zu unterstützen. Hierfür wird das Personal im Außenministerium und bei USAID massiv aufgestockt. Es ist damit zu rechnen, dass die USA mit groß angelegten Initiativen in den Bereichen Ernährungssicherung, Gesundheit, Demokratieförderung hervortreten wird. Die Frage nach Arbeitsteilung und Koordinierung unter den Gebern wird sich dann eher für die anderen Geber als für die USA stellen.

Schwerpunkte werden sicherlich bei der Einführung neuer Technologien gesetzt werden wie green revolution oder mobile banking. Außenministerin Clinton machte klar, dass es sich bei diesen Technologien, auch im Umweltbereich, vorrangig um amerikanische Technologien handeln soll, weil nur so im Kongress die Unterstützung mobilisiert werden kann, um die neue Strategie im Haushalt abzusichern. Dazu soll dem Kongress und den Steuerzahlern auch ein positives Image über die globale Rolle der US-Entwicklungspolitik vermittelt werden.