Schwellenländer nehmen heute eine bedeutende Position in der globalen Wirtschaft ein. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass globale Probleme nur angegangen werden können, wenn die Schwellenländer einbezogen werden. Im Fokus der Diskussion stehen die Auswirkungen dieser Machtverschiebungen für globale Ordnungsstrukturen. Dabei wird oft übersehen, dass die Diversifizierung internationaler Kooperation ganz konkret auf Länderebene stattfindet. Angola ist ein Beispiel dafür.

Angola ist eines der wichtigsten Länder Afrikas, nicht nur für westliche Regierungen und Unternehmen, sondern auch für China und Brasilien. Nach Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2002 begann die Regierung aktiv, neue internationale Partner zu suchen. Heute gehören China und Brasilien zu den wichtigsten Handels- sowie Kredit-, Investitions- und Entwicklungspartnern – neben traditionellen Akteuren wie den USA und europäischen Ländern. China hat die USA zudem als größten Exportmarkt für angolanisches Öl überholt.

Erdöleinnahmen statt Entwicklungshilfe

Die größte Herausforderung für die Entwicklung in Angola ist die geringe Einbindung des Ölsektors in die nationale Wirtschaft. Würden Ölgewinne direkt im Land investiert, könnten sie zur Diversifizierung der Wirtschaft und einer breiteren sozialen Entwicklung beitragen und Angola könnte rasch ein prosperierendes Land werden. Ein Großteil des Geldes fließt jedoch direkt auf ausländische Bankkonten und die Intransparenz finanzieller Transaktionen ist eines der Haupthindernisse für eine nachhaltige Entwicklung.

Für die westlichen Länder ist Angola ein besonders schwieriges Land, wenn es darum geht, ökonomische, soziale und politische Entwicklung zu fördern: die Umsätze aus den Ölvorkommen bleiben in den Händen einer kleinen Elite; Korruption ist weit verbreitet. Gleichzeitig rangiert Angola fast am Ende des Human Development Index. Entwicklungszusammenarbeit macht zudem weniger als ein Prozent des angolanischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Daher kann in Angola Entwicklungszusammenarbeit nicht wie in anderen afrikanischen Ländern als Hebel zur Einflussnahme genutzt werden. Aufgrund des Ölreichtums ist Angolas Elite aber stark in internationale Wirtschafts- und Finanzmärkte integriert. Internationale Akteure – Staaten, Banken und Ölunternehmen – können und sollten somit eine Schlüsselrolle bei der Förderung von nachhaltiger und gerechter Entwicklung im Land spielen.