Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew hat nach den Anschlägen in der Moskauer Metro einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten angekündigt. Russland werde ohne zu Zögern den "Krieg gegen Terror" fortsetzen, sagte Medwedjew am Montag. Die Sicherheitskräfte würden kompromisslos gegen Terroristen vorgehen. Die Menschenrechte müssten bei den Polizeieinsätzen allerdings gewahrt bleiben. Nach den Anschlägen auf die Moskauer U-Bahn seien die Sicherheitsvorkehrungen landesweit verschärft worden. Auch an allen russischen Flughäfen wurden die Kontrollen massiv erhöht.

Medwedjew forderte, die Wachsamkeit überall im Land zu erhöhen. Offenbar seien die bisherigen Vorkehrungen unzureichend gewesen, sagte der Kremlchef weiter. In der Vergangenheit hatte die russische Staatsführung Terroranschläge im Land immer wieder als Begründung für eine härtere Politik herangezogen. Medwedjew wies den russischen Inlandsgeheimdienst FSB und die übrigen Sicherheitskräfte an, einer möglichen Destabilisierung im Land entgegenzuwirken. Die jüngsten Terrorakte seien genau geplant gewesen, um die Situation im Land und in der Gesellschaft aus dem Lot zu bringen. Der Präsident hatte nach der Vielzahl von Terroranschlägen in Russland in letzter Zeit immer wieder eine rigorose Jagd auf die "Banditen" gefordert, wie die Extremisten im offiziellen Sprachgebrauch heißen.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat eine gnadenlose Jagd auf die Hintermänner der Tat angekündigt. "Ein Verbrechen ist begangen worden, das schrecklich ist in seinen Konsequenzen und abscheulich in seiner Art", sagte Putin zu Beginn einer Videokonferenz mit ranghohen Vertretern der Sicherheitsbehörden. "Ich bin zuversichtlich, dass die Polizei- und Justizbehörden keine Anstrengung unterlassen werden, die Kriminellen zu finden und zu bestrafen. Die Terroristen werden zerstört werden." Ein Sprecher Putins teilte mit, der Ministerpräsident werde seinen Sibirien-Besuch abbrechen und unverzüglich nach Moskau zurückkehren.

Die zwei Selbstmordattentäterinnen haben sich während des Berufsverkehrs in der Moskauer U-Bahn in die Luft gesprengt und dabei mindestens 37 Menschen in den Tod gerissen. Über hundert Menschen erlitten mehreren Agenturberichten zufolge teils schwere Verletzungen. Bislang gibt es nur Spekulationen über die politischen Hintergründe der Täterinnen. Der Chef des FSB, Alexander Bortnikow, machte allerdings islamistische Untergrundkämpfer in der Konfliktregion Nordkaukasus für das Blutbad verantwortlich. Die Handschrift nordkaukasischer Rebellen sei klar erkennbar, sagte er. Es seien Leichenteile der mutmaßlichen Täterinnen gefunden worden. In der Vergangenheit hatten wiederholt Witwen getöteter Rebellen aus dem Nordkaukasus solche Anschläge verübt.

Die EU hat Russland sofortige Unterstützung zugesagt. "Die EU steht entschlossen den russischen Behörden bei deren Bemühungen zur Seite, Terrorismus in jeglicher Form zu begegnen", erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. "Wir können es nicht erlauben, dass Gewalt gegenüber Freiheit und Demokratie die Oberhand gewinnt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erschüttert über die Anschläge auf die Moskauer U-Bahn gezeigt. "Das ist ein schreckliches Ereignis", sagte sie am Rande ihrer aktuellen Türkei-Reise. Sie habe dem russischen Präsidenten ihr tiefes Bedauern übermittelt und hoffe, dass die Anschläge mit mehreren Dutzend Toten schnell aufgeklärt werden könnten. Die Verbrechen seien ein Rückschlag für die russischen Bemühungen um Sicherheit, sagte Merkel. "Es ist erschütternd, dass solche Anschläge mitten in Moskau möglich waren."

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte das Attentat. "Diese Anschläge in Moskau sind verabscheuungswürdig und durch nichts zu rechtfertigen", sagte der Minister. Deutsche waren nach seinen Angaben nicht unter den Opfern.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Anschläge als "empörende Aktionen". "Die amerikanische Bevölkerung steht vereint an der Seite des russischen Volkes in der Absage an gewalttätigen Extremismus und feige Terrorattacken, die eine solche Missachtung menschlichen Lebens zeigen", erklärte Obama in Washington.