Liao Yiwu, geboren 1958 © privat

China hat den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zur Teilnahme an einem Literaturfestival nach Deutschland zu reisen. Polizisten holten den Autor in der südwestchinesischen Stadt Chengdu kurz vor dem Start wieder aus dem Flugzeug und stellten ihn unter Hausarrest. Liao Yiwu hatte ein deutsches Visum und wollte mit einer Zwischenstation in Peking nach Deutschland fliegen.

Liao Yiwu berichtete, bereits vor ein paar Tagen aufgefordert worden zu sein, nicht nach Deutschland zu reisen. Er bestätigte, dass sich Kanzleramt und Deutsche Botschaft für seine Ausreise eingesetzt hätten.In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Liao Yiwu Anfang Februar um Hilfe bei seiner Ausreise gebeten: "Sie sind deutsche Kanzlerin und Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Diktatur bedeutet." Liao Yiwu wollte an der lit.Cologne am 19. März in Köln teilnehmen. Er habe von Chengdu nach Peking und dann am Freitag nach Deutschland weiterfliegen wollen, hieß es.

China hindert den 50-Jährigen bereits das zweite Mal an der Ausreise. Im vergangenen Herbst durfte Liao Yiwu schon nicht zur Frankfurter Buchmesse fliegen, auf der China Ehrengast war. Die chinesische Regierung übte damals außerdem Druck auf den Veranstalter aus, der nachgab und zwei kritische Autoren von einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Buchmesse wieder auslud.

Liao Yiwu ist in Deutschland unter anderem bekannt für sein Buch "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten". Er hatte dafür Toilettenputzer, Prostituierte, alte Mönche, politische Häftlinge und Straßenkünstler interviewt. In China ist das Werk verboten.

Der Autor saß vier Jahre in Haft, nachdem er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung ein Gedicht "Massaker" publiziert hatte. Seitdem steht Liao Yiwu auf der Schwarzen Liste. Er habe nur nach Köln reisen und keineswegs politisches Asyl in Deutschland beantragen wollen, sagte er. Anschließend habe er wieder in seine Heimat zurückkehren wollen.