Die EU-Kommission sowie der spanische Ratsvorsitz und Mitgliedsländer wie Frankreich, Italien und Luxemburg haben die Bundesregierung hinsichtlich des Notfallplans für Griechenland zum Einlenken aufgerufen. Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos sagte beim Außenministertreffens in Brüssel, sein Land wolle beim Treffen der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag ein Hilfspaket für das hoch verschuldete Griechenland verabschieden. Moratinos sprach von einem wichtigen Moment für die Zukunft der EU und des Euro.

Das Hilfspaket soll nach Vorstellungen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bilaterale Kredite der Mitgliedstaaten umfassen, die von der Kommission koordiniert werden. "Es liegt im deutschen Interesse, die Stabilität in der Europäischen Währungsunion zu sichern", sagte Barroso dem Handelsblatt.

Der italienische Außenminister Franco Frattini sagte: "Wir unterstützen hundertprozentig EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in dieser Frage. Die Glaubwürdigkeit Europas steht auf dem Spiel". Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte: "Es geht nicht nur um Griechenland, es geht um uns alle".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte konkrete Hilfszusagen abgelehnt. Merkel hatte am Wochenende gesagt, Finanzhilfen für Griechenland seien nicht erbeten worden und stünden daher auch nicht auf der Tagesordnung. Auf dem EU-Gipfel, der diese Woche in Brüssel stattfinden wird, soll kein Hilfspaket für Griechenland beschlossen werden. Es gebe gleichwohl technische Fragen für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit, die Griechenland nicht ausschließen könne. Dabei müsse abgewogen werden, was Staaten bilateral tun sollten oder ob man Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen sollte.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erteilte einem europäischen Hilfspaket für Griechenland eine Absage. "Bis zur Stunde hat Griechenland nicht um Geld gebeten, deshalb gibt es auch keinen Entscheidungsbedarf", sagte Westerwelle in Brüssel.

Der finnische Außenminister Alexander Stubb sagte: "Ich denke, dass der Gipfel Probleme lösen muss. Und deswegen wird Griechenland auch so oder so auf der Tagesordnung stehen." Er zeigte Verständnis für die Bedenken Merkels: "Das ist eine sehr delikate Angelegenheit, und sie sollte mit Vorsicht behandelt werden. Da hat Merkel völlig Recht." Frattini sagte: "Das ist kein deutsches Problem. Es handelt sich um ein europäisches Problem. Wir müssen eine europäische Botschaft aussenden. Anderenfalls untergraben wir die Glaubwürdigkeit der Eurozone."

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte mehrfach versichert, sein Land wolle keine Kredite von den EU-Partnern, sondern politische Unterstützung gegenüber den Finanzmärkten, um wieder zu niedrigeren Zinsen Geld leihen zu können.

Laut einem EU-Mitarbeiter sind Hilfen in Höhe von 22 Milliarden Euro im Gespräch, für welche die Regierung in Athen weniger Zinsen zahlen müsste als an den Finanzmärkten. Athen hat Schwierigkeiten, seine Rekordschulden von mehr als 300 Milliarden Euro zu bedienen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte im ZDF-Morgenmagazin es sei vollkommen unnötig, beim EU-Gipfel über Griechenland zu reden. Auch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte: "Finanzielle Hilfen stehen am Donnerstag und Freitag nicht zur Entscheidung an." Der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament, Markus Ferber, riet Merkel dazu, dem Drängen der EU-Partner nachzugeben: "Wenn man bei Griechenland einen Präzedenzfall schafft, brechen alle Dämme", sagte Ferber.

Laut einer Umfrage der Financial Times Deutschland sind 61 Prozent der Deutschen gegen Finanzhilfen für Griechenland. 32 Prozent der Befragten sprachen sich zudem für einen vorläufigen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone aus. Unterstützung erhält Merkel auch von den Niederlanden und Finnland. Der finnische Außenminister Alexander Stubb sagte die Haltung der Kanzlerin sei sehr verständlich.

Angesichts der verhärteten Fronten muss der ständige EU-Ratsvorsitzende Herman Van Rompuy nun nach einer Lösung suchen, mit der alle Seiten leben können. Eine Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Griechenland sei dabei eine Variante, sagte Österreichs Außenminister Michael Spindelegger in Brüssel. Auch Regierungssprecher Wilhelm sagte, in einer akuten Notlage sei eine Hilfe des IWF für die Kanzlerin definitiv ein Thema.