Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy muss sich mit den Regionalwahlen am vergangenen und dem nun folgenden Wochenende einem Stimmungstest im Land stellen. Dieser dürfte den Prognosen zufolge nicht gut für seine konservative Partei UMP ausfallen. Die oppositionellen Sozialisten hoffen sogar, in jeder französischen Region die Führung zu übernehmen.

Wenn wir überall verlieren, ist das eine echte Ohrfeige.
Französischer Minister

Nachdem die Sozialisten seit den letzten Regionalwahlen 2004 schon 24 von 26 Regionen beherrschen, könnten jetzt auch das Elsass und Korsika an die Linken fallen. "Wenn wir überall verlieren, ist das eine echte Ohrfeige", sagt ein Minister. Für Sarkozy werde es dann schwierig, eine Regierungsumbildung zu vermeiden, die angeschlagenen französischen Präsidenten traditionell als Befreiungsschlag dient.

Doch der ins Umfragetief gestürzte Sarkozy will nach eigenen Worten mit dieser "Tradition" brechen. "Wenn Millionen Menschen abstimmen, dann ist es meine Pflicht, ihnen zuzuhören", sagt er. Es müsse aber Schluss sein damit, "die ganze Zeit Minister auszuwechseln". Für ihn gelte: "Regionale Wahlen, regionale Folgen - nationale Wahlen, nationale Folgen."

Direkte Konsequenzen für die nationale Politik hat der Urnengang nicht. Die meisten Franzosen wissen nicht einmal, welche Aufgaben die Regionen neben Départements, Kommunen und dem Zentralstaat eigentlich wahrnehmen. Das liegt auch daran, dass eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten fehlt. So können Regionen wie andere Körperschaften Verkehrsprojekte in Angriff nehmen, sind für einen Teil der Schulen zuständig und in der Wirtschaftsförderung tätig. Ihr Jahresbudget liegt bei rund 27 Milliarden Euro.

Für Sozialistenchefin Martine Aubry wäre ein klarer Sieg bei den Regionalwahlen jedoch wichtig. Nachdem sie sich lange einen kräftezehrenden Grabenkrieg mit der ehemaligen sozialistischen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal geliefert hat, könnte dies ihre Stellung in der Partei festigen – und den Weg für eine eigene Bewerbung um das höchste Staatsamt im Jahr 2012 eröffnen.

Aber auch für Aubry läuft nicht alles reibungslos. Im südfranzösischen Languedoc-Roussillon sah sie sich gezwungen, kurzfristig eine Gegenliste zu dem amtierenden Regionalpräsidenten George Frêche aufzustellen, der wegen als judenfeindlich bewerteten Äußerungen in die Schlagzeilen geraten war. Dennoch führt Frêche nun weiter in Umfragen, sodass Aubry diese Region womöglich abschreiben muss.

Besorgt blicken die Sozialisten auch auf die Grünen, die ihnen im vergangenen Juni bei der Europawahl beinahe den Rang als zweitstärkste Partei abgelaufen hätten. Wie Frankreichs Wahllandschaft in den Regionen im Detail aussehen wird, steht erst am Abend des 21. März fest. Denn nach der ersten Runde an diesem Sonntag bleiben alle Parteien im Rennen, die über die Zehn-Prozent-Hürde kommen. Bis zum zweiten Wahlgang läuft dann das große Verhandeln über Koalitionen und Werben um die Wähler der ausgeschiedenen Parteien.