Fünf Tage nach der Bombardierung zweier Tanklaster nahe des Bundeswehr-Lagers in Kundus wurde im Verteidigungsministerium eine Arbeitsgruppe gebildet. Mindestens fünf Beamte schlossen sich zur "Gruppe 85" zusammen. Sie versuchte, die Ermittlungen der Nato zu beeinflussen und die Öffentlichkeit vom Erfolg der Aktion zu überzeugen.

Ein entsprechender Bericht von Spiegel Online wurde inzwischen bestätigt: Ihm sei die Existenz der "Gruppe 85" bekannt, sagte der entlassene Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan auf eine Frage im Kundus-Untersuchungsausschuss in Berlin.

Nach dem Bericht sollte die "Gruppe 85" durch eine Kommunikationsstrategie im Fall Kundus ein positives Bild möglich machen. Kritik an der Bundeswehr sollte demnach gezielt verhindert werden.

Die Gruppe sei am 9. September ins Leben gerufen, fünf Tage nach dem von einem deutschen Offizier angeordneten Luftangriff mit toten Zivilisten. Sie sei von dem ebenfalls entlassenen Staatssekretär Peter Wichert geleitet worden.

Wie Spiegel Online berichtet, sollte die "Gruppe 85" über das deutsche Mitglied in der Nato-Untersuchungskommission zum Luftangriff in Erfahrung bringen, was dort recherchiert wurde. Darüber hinaus sei es um die Frage gegangen, wie der Nato-Bericht im deutschen Interesse beeinflusst werden konnte.

Kurz vor Fertigstellung des Nato-Berichts habe die Arbeitsgruppe ihrem Mann bei der Nato sehr konkrete Anweisungen gegeben, schreibt Spiegel Online. Demnach sollte in dem Nato-Bericht "falls möglich – ein ermessensfehlerfreies Handeln herausgestellt werden".

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt erklärte, die Enthüllungen über die Aktivitäten der "Gruppe 85" und die Verstrickungen Wicherts seien haarsträubend. Sie belegten, dass Guttenbergs Entscheidung, den Staatssekretär zu entlassen, richtig gewesen sei. "Dass Karl-Theodor zu Guttenberg einen klaren Strich gezogen hat, war alternativlos", sagte Dobrindt.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour sagte, der Ausschuss werde auch prüfen, ob der Öffentlichkeit im September nach dem verheerenden Luftschlag Informationen zu zivilen Opfern aus Wahlkampfgründen vorenthalten worden seien. Sollte dies der Fall sein, sei dies ein "ungeheurer Vorgang".

Der CSU-Landesgruppenvorsitzende Hans-Peter Friedrich sagte, wenn im Verteidigungsministerium tatsächlich eine solche Gruppe aktiv gewesen sein sollte, sei das ein "unglaublicher Vorgang". Guttenberg sei gut beraten gewesen, "seine personellen Entscheidungen zu treffen", ergänzte Friedrich mit Blick auf Wicherts Entlassung.