Für die Zeit nach der Wahl im Irak am kommenden Sonntag geht die US-Regierung von einer langwierigen und komplizierten Regierungsbildung aus. Ein Regierungsvertreter sagte: "Wir rechnen damit, dass die Wahl und der anschließende Prozess der Regierungsbildung sehr umkämpft sein werden, und wir rechnen mit einer schwierigen Regierungsbildung, die einige Zeit dauern könnte." Die USA gingen von Monaten und nicht von Wochen aus, bis eine neue irakische Regierung stehe.

Die Chancen, dass die Wahl als legitim und glaubwürdig wahrgenommen werden, stünden einigermaßen gut, sagte der Regierungsvertreter. Weil es um so viel gehe, sei aber damit zu rechnen, dass es anschließend von vielen Seiten Anschuldigungen und Betrugsvorwürfe geben werde. Die USA würden allerdings sehr darauf achten, dass kein Machtvakuum entstehe, das etwa von Extremisten zur Destabilisierung des Landes genutzt werden könnte.

Bis zum Wahltag müsse damit gerechnet werden, dass es weitere Gewalttaten geben werde, um die Bürger von den Wahlurnen fernzuhalten, erläuterte der Regierungsvertreter weiter.

Bereits am Donnerstag waren bei Selbstmordanschlägen im Irak zwölf Menschen getötet worden. Extremisten griffen mehrere Wahllokale an, in denen Angehörige der Sicherheitskräfte ihre Stimmen abgaben. Nach Angaben der Polizei starben 13 Menschen, darunter mehrere Soldaten und ein Selbstmordattentäter.

In der nördlichen Stadt Mossul sprengten Extremisten das Haus eines Kandidaten in die Luft. Neun Nachbarn von Scheich Nawaf Saud wurden laut Polizei verletzt. Der Direktor der Wahlkommission der nördlichen Provinz Ninive Abdul Chalek al-Dabbagh, bemängelte, in dem Wahlbezirk Wadi Hadschr hätten Angehörige einer Polizeieinheit aus Bagdad andere Soldaten und Polizisten aufgefordert, ihre Stimme der Liste der Rechtsstaat-Allianz von Ministerpräsident Nuri al-Maliki zu geben.

Tausende von Angehörigen der Sicherheitskräfte beschwerten sich, weil sie ihre Namen nicht auf den Wählerlisten fanden. Sie waren offensichtlich nicht an den Orten registriert worden, an denen sie aktuell stationiert sind. Der Sprecher der Sicherheitskräfte von Bagdad, General Kassem Atta, sagte: "Ich selbst konnte meine Stimme nicht abgeben, weil mein Name nicht auf der Liste stand."

Die zuständige Wahlleiterin Hamid al-Husseini sagte, Schuld an dem Chaos seien Innenministerium und Verteidigungsministerium, die keine vollständigen Namenslisten geschickt hätten. Die Soldaten und Polizisten, deren Namen auf den Wählerlisten gefehlt hatten, durften schließlich trotzdem wählen. Allerdings wurden sie gewarnt, wer bei doppelter Stimmabgabe erwischt werde, könne seinen Job verlieren. Die Wahllokale blieben wegen der Probleme zwei Stunden länger geöffnet als geplant.

Insgesamt sind rund 18,9 Millionen Iraker wahlberechtigt. 6172 Kandidaten, die sich zu zwölf Wahlbündnissen zusammengeschlossen haben, bewerben sich um 325 Abgeordnetenmandate.