Die Rechtsstaatsallianz von Ministerpräsident Nouri al-Maliki und das schiitisch-sunnitische Bündnis Irakija um den früheren Regierungschef Ijad Allawi eroberten bei der Parlamentswahl im Irak nach Auszählung eines Drittels der Stimmen jeweils zwei der 18 Provinzen. Wie die Wahlkommission bekannt gab, erreichte Malikis Partei in der Provinz Nadschaf knapp 56.000 Stimmen, in Babylon kam sie auf 69.000. Die Irakische Nationale Allianz, ein Bündnis aus schiitischen Parteien, kam demnach mit mehreren Tausend Stimmen Abstand auf den zweiten Rang. Allawis Irakija-Bündnis landete in den beiden Provinzen auf dem dritten Platz.

Das Allawi-Bündnis lag nach Auszählung von 17 Prozent der Stimmen in den beiden Provinzen Salaheddin und Dijala nördlich von Bagdad in Führung, wo mehrheitlich Sunniten leben. In Salaheddin lag die laizistische Liste des schiitischen Innenministers Dschawad Bolani auf Platz zwei, gefolgt von der Maliki-Allianz. In Dijala belegte die Irakische Nationale Allianz den zweiten und Malikis Rechtsstaatsbündnis den dritten Platz.

Millionen Iraker hatten am Wochenende zum zweiten Mal seit dem Sturz des Saddam-Regimes ein neues Parlament gewählt. Eine Serie von Attentaten mit dutzenden Toten begleitete die Abstimmung. Die Beteiligung lag bei etwa 62 Prozent.

Das bisherige Teilergebnis ist noch wenig repräsentativ, da die in den beiden im Süden des Irak gelegenen Provinzen mehrheitlich Schiiten wohnen. Die säkulare al-Irakija-Liste von Allawi und die Allianz der religiösen Schiiten-Parteien von Ammar al-Hakim stritten bereits darum, wer insgesamt den zweiten Platz hinter al-Malikis Rechtsstaat-Koalition belegt hat.

In der Hauptstadt Bagdad, auf die 68 der insgesamt 325 Parlamentsmandate entfallen, erhielt al-Malikis Bündnis am Sonderwahltag für die Sicherheitskräfte im Ostteil der Stadt die meisten Stimmen, im Westteil lag die Allawi-Liste vorn. In Erbil, einer der drei Provinzen der autonomen Region Kurdistan, kam die gemeinsame Liste aus Kurdischer Demokratischer Partei (KDP) von Massud Barsani und Patriotischer Union Kurdistans (PUK) von Dschalal Talabani nach Auszählung von 27 Prozent der Stimmen auf Platz eins. Den zweiten Rang belegte die Liste Goran (Wandel), gefolgt von der Islamischen Union Kurdistan.

Al-Maliki hat nach allen bislang veröffentlichten Schätzungen landesweit die meisten Stimmen erhalten. Die absolute Mehrheit im Parlament hat er jedoch verfehlt, sodass es erneut auf eine Koalitionsregierung hinauslaufen wird. "Wir brauchen nur einen oder höchstens zwei Koalitionspartner", sagte ein Vertrauter von al-Maliki.

Dass sich der Regierungschef selbst seit der Wahl mit Kommentaren zurückhält, könnte mit seinem Gesundheitszustand zusammenhängen. Die staatlichen Medien berichteten, er sei am Donnerstag "nach einer erfolgreichen Operation" in einem Krankenhaus in Bagdad an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Wann das Endergebnis vorliegt, dazu gibt es mehrere Prognosen: Die Angaben schwanken zwischen den nächsten Tagen oder in einigen Wochen. Vertreter der Al-Irakija-Liste sagten, dass die Wahlkommission die Ergebnisse immer noch nicht veröffentlicht habe, nähre den Verdacht, dass dort Fälschungsversuche im Gange seien: "Für diese Verzögerung gibt es keine Entschuldigung."

Ein britischer Europaabgeordneter beschuldigte Iran offen der Wahlmanipulation. Teheran sei an einer "Manipulation" zur "Fälschung" der Wahlergebnisse im Irak beteiligt, sagte der konservative britische Europaabgeordnete Struan Stevenson, Vorsitzender der Delegation des Europaparlaments für die Beziehungen zum Irak.

Zu der entsprechenden Kampagne, die offenbar von Iran finanziert und geführt werde, gehörten "Morde, Einschüchterung, Erpressung und Betrug". Ziel sei es, einen Sieg der laizistischen Allawi-Liste zu verhindern. Stevenson gilt als Unterstützer der oppositionellen iranischen Volksmudschaheddin.

Al-Maliki pflegt gute Beziehungen zu Teheran. "Ich bin erstaunt über diese Äußerungen. Vor allem, wo hier doch während des gesamten Auszählungsprozesses eine Menge internationale und lokale Beobachter anwesend sind", sagte der Sprecher der Wahlkommission, Kassim Abbudi. Er forderte die Vertreter der Parteien auf, sich mit vorschnellen Äußerungen zurückzuhalten, und die Veröffentlichung der restlichen Ergebnisse abzuwarten.