In den vergangenen Wochen war es immer wieder zu Krawallen zwischen Muslimen und israelischen Sicherheitskräften auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem gekommen: Nun hat Israel vor dem traditionellen Freitagsgebet auf dem Tempelberg das Westjordanland abgeriegelt. Die Sperre gelte bis zur Nacht zum Sonntag, teilte die Armee mit.

Von der Regelung ausgenommen seien unter anderem Personen, die medizinische Hilfe benötigen, 550 Lehrer sowie der Warenverkehr. Um Unruhen im arabischen Ostteil Jerusalems zu verhindern, seien darüber hinaus mehrere hundert Sicherheitskräfte zusätzlich im Einsatz, sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.

Einen genauen Grund für die Sperre gab die Armee nicht an. Normalerweise riegelt Israel aus Sorge vor Anschlägen das Westjordanland nur vor jüdischen Feiertagen ab. Die jetzige Blockade ist die erste seit zwei Jahren, für die es keinen solchen Grund gibt. Einem Armeesprecher zufolge erfolge die 48-stündige Blockade auf Anweisung von Israels Verteidigungsminister Ehud Barak. Als Begründung wurden Sicherheitsrisiken genannt.

Wegen der Krawalle haben aktuell nur noch muslimische Männer, die älter als 50 Jahre alt sind, Zugang zu der heiligen Stätte. Die Palästinenser sehen darin einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit.

Der Tempelberg – Haram al-Scharif – mit dem Felsendom und der al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Die unter dem Felsenbergplateau gelegene Klagemauer ist heute der heiligste Ort im Judentum. Die israelische Regierung hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass sie die freie Religionsausübung in Jerusalem garantieren wolle.

Offenbar Verletzte im Gazastreifen

Derweil haben israelische Kampfflugzeuge in der Nacht Ziele im Süden des Gazastreifens angegriffen. Nach Augenzeugenberichten wurden mehrere Palästinenser verletzt. Wie die israelische Armee mitteilte, beschossen Kampfflugzeuge zwei Ziele im Süden. Dies war eine Reaktion auf eine Rakete, die auf einen Kibbuz im Süden Israels abgefeuert worden sei.

Nach Angaben der israelischen Armee beschoss die Luftwaffe in Rafah an der Grenze zu Ägypten mehrere Schmugglertunnel und in der Stadt Chan Junis einen Metall verarbeitenden Betrieb. Bei dem Raketeneinschlag in dem Kibbuz wurde demnach niemand verletzt. Es war seit einen Monat die erste Rakete, die vom Gazastreifen auf israelisches Gebiet abgefeuert wurde. Nach Angaben der israelischen Regierung schossen militante Palästinenser seit dem Ende der Gaza-Offensive vor gut einem Jahr mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten in Richtung Israel.