Afghanistan lässt den Minister nicht los, egal welchen Ort auf der Welt er besucht. Auch während seiner Kosovo-Reise stellen einheimische und mitgereiste Journalisten manche Frage zum riskanten Bundeswehreinsatz am Hindukusch. Sie wollen beispielsweise wissen, ob Deutschland sein Truppenkontingent im Kosovo weiter verkleinern will, um mehr Soldaten in Afghanistan einsetzen zu können. Karl-Theodor zu Guttenberg dementiert: Der Isaf- und der KFor-Einsatz hätten nichts miteinander zu tun.

Tatsächlich unterscheiden sich die Missionen sehr – vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Bewertung ihres Erfolgs. Die Einsätze im Kosovo und in Bosnien-Herzegowina sind die vergessenen Missionen der Bundeswehr. Auf seiner zweitägigen Balkanreise am Montag und Dienstag macht der Verteidigungsminister deshalb Werbung für KFor (Kosovo Force) und Eufor (European Force in Bosnien-Herzegowina). Der Minister besucht in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, die in den neunziger Jahren jeweils von einem heftigen Bürgerkrieg betroffen waren, die deutschen Soldaten. Die Reise ist auch sein Antrittsbesuch bei den Regierungen und der internationalen Militärmissionen in der Region.

Im Gespräch mit Soldaten im deutschen Feldlager in Prizren im Süden des Kosovos sagt der Minister, dass der andere Einsatz, die Mission in Afghanistan, die Schlagzeilen und Fernsehnachrichten bestimme. Das sei ungerecht. Auch die KFor-Soldaten hätten für ihr Engagement den Dank der Bevölkerung verdient. "Sie sind nicht vergessen", sagt der Minister zu den Männer und Frauen in Uniform. Und: "Solange ist der Krieg doch noch gar nicht her."

1999 begann ein Bürgerkrieg in der damaligen serbischen Provinz Kosovo. Die UCK der Kosovo-Albaner kämpfte gegen die serbische Armee um ihre Unabhängigkeit. Es kam zu Vertreibungen und Massakern, die Nato intervenierte. Das militärisch überlegene Bündnis besiegte Serbien überwiegend aus der Luft. Noch im Sommer desselben Jahres marschierte die Bundeswehr als Teil der KFor ein. Das ist nun bald elf Jahre her und der Kosovo hat sich gewandelt: Die Region ist deutlich friedlicher geworden.

Und während in Afghanistan die Truppen aufgestockt werden, sieht im Kosovo die Sicherheitslage so aus, als ob das deutsche Kontingent von 1547 Männer und Frauen bald deutlich verkleinert werden kann. Der Rückzug auf dem Balkan läuft bereits.  

Zu Guttenberg benutzt das Wort Abzug nicht. Er verwendet Begriffe, die der kosovarischen Regierung weniger wehtun. "Wir haben über eine mögliche Truppenreduzierung gesprochen", sagt er während einer Pressekonferenz mit dem kosovarischen Ministerpräsidenten Hashim Thaci. Zuvor hatte er in der Hauptstadt Pristina den Präsidenten Fatmir Sediju getroffen. Auch in dieser Unterhaltung sprach zu Guttenberg das Thema Kontingentverkleinerung an: "Reduktionen sollte man nicht über Nacht beschließen, das muss man als längerfristigen Prozess sehen." Der Entschluss dazu müsse gemeinsam in der Nato getroffen werden. "Das Prinzip bleibt: together in, together out." Es helfe nicht, wenn ein Land einen Alleingang mache.

Guttenberg kritisierte mehrfach Frankreich, ohne den KFor-Partner allerdings beim Namen zu nennen. Paris hat angekündigt, noch in diesem Jahr alle Soldaten aus dem Kosovo abziehen zu wollen. Wenn Frankreich das wahr macht, können andere Truppensteller wie Deutschland weniger Männer und Frauen nach Hause holen. Momentan besteht die KFor noch aus weniger als 10.000 Soldaten. Längst beteiligen sich Länder an der Mission, die nicht zur Nato gehören: die Schweiz, Österreich oder Marokko etwa. Sie können den Abzug der großen Kontingente allerdings nicht ersetzen.

Auch in Bosnien beginnen andere europäische Staaten einen Großteil ihrer Soldaten abzuziehen. Insgesamt sind noch 2000 Soldaten der Eufor dort stationiert – davon 120 Deutsche. Spanien, das die Westregion leitet, will seine Soldaten noch in diesem Jahr nach Hause holen.

Der deutsche Verteidigungsminister scheint es nicht ganz so eilig zu haben. "Man braucht Geduld", sagt zu Guttenberg. Und das sehen auch die deutschen Generäle so. In Bosnien wird bald gewählt und schon jetzt kommt es zu politischen Reibereien zwischen Serben, Kroaten und muslimischen Bosniaken.