Mit lautem Knattern fliegt ein Hubschrauber auf das Erzengel-Kloster in Prizren zu. Der Pilot landet auf einer freien Fläche hinter den Wachtürmen. Kaum, dass die Kufen den Boden berührt haben, springen gepanzerte Soldaten aus dem Helikopter heraus. Sie halten Schlagstöcke in den Händen. Die Maschine hebt ab und verschwindet schnell aus dem Bistrica-Tal im Süden des Kosovos.

Die Soldaten eilen im Laufschritt auf das Kloster zu. "Tor auf", schreit der Truppführer. Zwei Soldaten drücken das Tor auf und der Trupp rennt hindurch. Zwei Soldaten beziehen vor dem Kloster Posten. Sie halten Sturmgewehre in den Händen. Auf dem Uniformarm haben sie die deutsche Flagge und das Symbol der KFor, der Kosovo Force, aufgenäht.

Die internationale Schutztruppe soll im Kosovo, einem Land von der Größe Hessens, Ausschreitungen zwischen den muslimischen Kosovo-Albanern und der Minderheit der christlichen Serben verhindern. Und sie muss sicherstellen, dass die Minderheit die in internationalen Verträgen zugesicherte Bewegungsfreiheit wahrnehmen kann.

Die beiden Männer gehören zu einem Zug der Bundeswehr von rund 30 Soldaten, die rund um die Uhr das orthodoxe Kloster im Bistrica-Tal in der Nähe Prizrens bewachen. Sie beschützen die acht Mönche, die darin leben, vor möglichen Angriffen von albanischen Kosovaren.

Wie schnell die Lage im Kosovo eskalieren kann, erlebte die Bundeswehr im März 2004. Extremistische Kosovaren steckten damals Kirchen und Klöster in Brand. Auch im Gebiet der Multinational Battlegroup Süd, die zu großen Teilen aus deutschen Soldaten besteht, kam es zu schweren Ausschreitungen. Viele Häuser des serbischen Viertels in Prizren brannten nach dem Kosovokrieg zum zweiten Mal nieder. Heute sollen in Prizren weniger als 20 Serben leben – vor dem Krieg waren es mehrere Hundert.

Nicht nur die am Ort stationierten Soldaten sind damit beschäftigt, das Kloster zu schützen – im deutschen Feldlager in Prizren hält Brigadegeneral Manfred Hofmeyer, Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents, stets eine Reserve bereit. Der Hubschrauber hat die erste Welle der Verstärkung gebracht. Ein weiterer Helikopter bringt Militärpolizisten. Innerhalb weniger Minuten sind zusätzlich 36 Soldaten vor Ort. Der Schutz der acht Mönche bindet dauerhaft Dutzende Soldaten. Im Garten des Klosters harkt ein Mönch währenddessen seelenruhig die Beete.

Von einer kleinen Holztribüne am Landeplatz schaut Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg der Übung zu. Was er sieht, überzeuge ihn, lobt er den Brigadegeneral neben sich.