Zwischen den Explosionen lagen nur wenige Augenblicke: In der pakistanischen Stadt Lahore haben zwei Selbstmordattentäter innerhalb von 20 Sekunden Anschläge auf Militäreinrichtungen verübt. Die Polizei sprach von mindestens 39 Toten und 95 Verletzten. Andere Quellen bezifferten die Zahl der Todesopfer auf mindestens 48 Menschen. "Der Tod von 30 Zivilisten und 18 Soldaten ist bestätigt", sagte ein Armeeoffizier, der anonym bleiben wollte.

Die Explosionen ereigneten sich in einem Teil der Stadt, in dem sich zahlreiche Einrichtungen des pakistanischen Militärs befinden. Soldaten sperrten das Gebiet ab und überwachten das Gebiet von umliegenden Dächern aus. Über ihnen kreiste ein Hubschrauber. Auf einem im Fernsehen gesendeten Amateurvideo waren Trümmer zu sehen, die in Flammen standen. Hilfeschreie von Verletzten waren zu hören, eine Stimme rief: "Oh mein Gott, oh mein Gott, wer sind diese Barbaren? Möge Allah uns helfen."

In einem Anruf beim privaten Fernsehsender Geo bekannten sich die pakistanischen Taliban zu den Anschlägen. Gruppen, die mit ihnen und dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündet sind, haben in letzter Zeit ihre Angriffe auf pakistanische Sicherheitskräfte verstärkt, seitdem diese offensiv gegen in Pakistan untergetauchte afghanische Taliban-Anführer vorgehen. Zudem rückt die Armee seit Oktober vergangenen Jahres gegen islamistische Aufständische im Grenzgebiet zu Afghanistan vor.

Auch die einst ruhige Kulturmetropole Lahore entwickelt sich deshalb nun offenbar zu einem regelmäßigen Anschlagsziel: Es war bereits das zweite Attentat binnen vier Tagen. Bereits am vergangenen Montag waren in der Stadt durch einen Selbstmordanschlag auf Terrorfahnder mindestens 15 Menschen getötet und 70 weitere verletzt worden. Die jetzigen Explosionen waren Beobachtern zufolge die folgenschwersten, die die Stadt jemals ereilten.

Außenminister Shah Mehmood Qureshi verurteilte die Tat. Dem Terrorismus in seiner schändlichen Art werde ein Sieg niemals gestattet. Der Justizminister der Provinz, Rana Sanullah, sagte hingegen, es sei "schwierig, wenn nicht unmöglich", Selbstmordattentäter zu stoppen. Aber "die Nation bekämpft diese Terroristen mutig".

Experten rechneten auch für die Zukunft mit einer Welle der Gewalt im Land, da die durch die Militäroffensive geschwächten Taliban Handlungsfähigkeit demonstrieren müssten. Das Netzwerk der Rebellen sei jedoch nicht wesentlich beschädigt worden, sagte ein Analyst. Sie seien noch immer in der Lage zu kämpfen.

In Pakistan wurden seit 2007 mehr als 3000 Menschen bei mehr als 360 Anschlägen getötet, die meisten von ihnen durch pakistanische Taliban. Sie haben meistens Armee und Polizei sowie öffentliche Gebäude im Visier. Zunehmend zielen die Attentäter aber auch auf Zivilisten.