Frankreichs Regierungspartei UMP hat auch die zweite Runde der Regionalwahlen verloren. Selbst ihre alte Hochburg Korsika musste drangegeben werden, nur das Elsass konnte sie halten; neu kommen die Insel La Réunion im indischen Ozean und die lateinamerikanische Überseeprovinz Guyana hinzu. Am Sonntag gewonnen haben die gemeinsamen Listen von Linksparteien und Grünen, aber auch die rechtsradikale Front National, die jetzt in 12 von 26 Regionalräten vertreten ist. Die Wahlbeteiligung lag, wie bei Stichwahlen üblich, mit 49,5 Prozent ein wenig höher als beim ersten Wahlgang – gering geblieben ist sie gleichwohl.



Diese zweite Runde besiegelte eine schwere Niederlage des Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, die schon vor einer Woche eingesetzt hatte. Kommentiert wurde das Desaster von seinen Ministern überwiegend mit identischen Formulierungen: Anders noch als nach dem ersten Wahlgang gaben sie den Misserfolg zu, anschließend verbreiteten sie die Parole, nun käme es darauf an, Frankreich aus der Krise zu führen und außerdem, mehr für die Sicherheit zu tun. Besonders an der Rentenreform und am Abbau des Haushaltsdefizits sei festzuhalten.

Die Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagte ausdrücklich, die Reformen müssten fortgesetzt werden. Unmittelbar vor den Wahlen hatte Sarkozy zwar noch versucht, die Franzosen und insbesondere seine eigene Partei mit der Ankündigung einer "Pause" der Reformpolitik versöhnlich zu stimmen, aber das war wohl nur ein Manöver.

Regierungssprecher Luc Chatel ging im Fernsehen so weit zu fragen, wieso man nach Regionalwahlen einen Kurs wechseln solle, für den der Präsident und seine Parlamentsmehrheit zweieinhalb Jahre zuvor die Mehrheit der Stimmen gewonnen hatten.

Am Montag erhält Sarkozy erst einmal Besuch von Premierminister François Fillon, der am Abend den eigenen Anteil an der Verantwortung für die Niederlage einräumte. Denkbar, dass er rein formal seinen Rücktritt anbietet, kaum denkbar, dass Sarkozy dieses Angebot annimmt. Die Nummer zwei im Élysée, der Chefberater Claude Guéant, kündigte eine "technische Regierungsumbildung" an.

Personalgerüchte kursieren seit Wochen, sie sind allesamt nur mäßig aufregend. Sollte freilich Christine Lagarde den Platz des Außenministers Bernard Kouchner einnehmen, dann wäre das ein unfreundliches Signal in die deutsche Richtung, denn die derzeitige Wirtschaftsministerin hat vor Tagen recht undiplomatisch den Deutschen vorgeworfen, mit ihrer Exportkraft Europa zu schaden.