Die Partei des autoritären Präsidenten Emomali Rachmon hat die Parlamentswahlen in der Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan klar gewonnen. Die Volksdemokratische Partei habe bei der Abstimmung am Sonntag 71,69 Prozent der Stimmen erhalten, teilte die zentrale Wahlkommission in der Hauptstadt Duschanbe mit. Wie bei der vorherigen Wahl schafften nur zwei weitere Parteien den Sprung über die 5-Prozent-Hürde. Offiziellen Angaben zufolge beteiligten sich 85,2 Prozent der etwa 3,5 Millionen Wahlberechtigten an der Abstimmung.

Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisierten wie schon in den vergangenen Jahren, dass die Wahl in dem verarmten zentralasiatischen Land nicht gemäß demokratischer Standards abgelaufen sei. Unter anderem bemängelten die Wahlbeobachter, dass vor allem in ländlichen Gegenden ganze Clans nach Anweisung des Familienoberhauptes wählten. Zudem warf die OSZE den staatlichen Fernsehsendern – der Hauptinformationsquelle für die etwa sieben Millionen Einwohner – einseitige Berichterstattung vor. Pia Christmas-Møller von der OSZE-Beobachtermission sagte, zwar habe die Wahl "in einer guten Atmosphäre" stattgefunden. Allerdings schwächten "solche schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten" einen echten demokratischen Prozess.

Insgesamt hatten sich Kandidaten von acht zumeist regierungsnahen Parteien für die 63 Sitze im Unterhaus beworben. Bislang waren davon 57 in der Hand von Rachmons Volksdemokratischer Partei. Beobachter rechneten schon vor der Abstimmung mit ihrem erneuten Sieg. Sie gehen zudem davon aus, dass der Präsident die Vorherrschaft seiner Partei im Parlament dazu nutzen wird, um seinen Sohn Rustam als Nachfolger aufzubauen. Der 23-Jährige kandidierte bei den gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen für den Stadtrat der Hauptstadt Duschanbe. EU-Diplomaten zweifeln jedoch an den Kompetenzen des Präsidentensohnes.