"Sollten die Deutschen weiterhin in Afghanistan bleiben, werden sie weitere Todesopfer erleiden", sagte Sabiullah Mudschahid, ein Sprecher der Taliban. Die Taliban hätten die Bundesregierung und den Bundestag gewarnt, sie sollten die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen, sagte Mudschahid weiter, der sich von einem unbekannten Ort aus telefonisch äußerte. "Aber sie haben nicht gehört."

Rund 100 Taliban-Kämpfer hatten den Bundeswehrkonvoi am Karfreitag im Einsatzgebiet der Bundeswehr im der nördlichen Provinz Kundus angegriffen. Bei den anschließenden Gefechten, den bislang schwersten Kämpfen der Bundeswehr in Afghanistan, waren drei deutsche Soldaten getötet und acht verletzt worden. Später erschoss die Bundeswehr irrtümlich fünf afghanische Soldaten.

"Wir haben kein Problem mit Deutschland", sagte der Taliban-Sprecher weiter. Afghanistan und Deutschland hätten historische Beziehungen. "Deshalb sollte Deutschland Afghanistan weiter helfen und damit aufhören, die Invasionstruppen zu unterstützen", erklärte er in Anspielung auf den Sturz des Taliban-Regimes nach dem Einmarsch des US-Militärs Ende 2001.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hingegen betont nach wie vor die große Bedeutung des Afghanistan-Einsatzes. Er sei davon überzeugt, "dass der Einsatz in Afghanistan noch notwendig ist", sagte er der Zeitung Bild am Sonntag. "Ich bin in Gedanken bei den Familien der Gefallenen und den verwundeten Soldaten und deren Familien."

Auch die Bundeswehr zeigte sich entschlossen, ihren Auftrag in Afghanistan fortzuführen. Der deutsche Isaf-Kommandeur für Nordafghanistan, Frank Leidenberger, sagte am Freitagabend im ZDF: Die Bundeswehr-Angehörigen würden die einheimische Bevölkerung weiterhin vor den Extremisten schützen.

Leidenbergers Stellvertreter Mario Schäfer erklärte in Masar-i-Scharif, dass NATO, Afghanen und die Bundeswehr den Vorfall prüfen würden, bei dem am Freitag fünf afghanische Soldaten getötet worden waren. Schäfer sagte, die Afghanen hätten die Bundeswehr unterstützen wollen. Sie seien dann aber mit zwei Wagen "offensichtlich ohne auf irgendwelche Zeichen, Warnsignale zu achten" auf einen Bundeswehrverband zugefahren. "Dann musste reagiert werden." Es sei ein "zutiefst zu bedauernder" Vorfall. "Wir wollen mit den Afghanen zusammenarbeiten, wir wollen sie schützen", betonte Oberst Schäfer.

Während die Linke einen Abzug aus Afghanistan fordert, kritisieren auch die Bundesvorsitzenden der Grünen, Claudia Roth und Cem Özdemir, den Einsatz. "Es zeigt sich, dass der von der Bundesregierung viel beschworene Ansatz der vernetzten Sicherheit bislang nicht funktioniert", schrieben sie in einer Erklärung zu den jüngsten Ereignissen und forderten: "Nötiger denn je ist eine zivile Aufbau- und damit auch klare Abzugsperspektive."

Derweil kritisierte auch die Friedensbewegung den Einsatz scharf. Anlässlich der Ostermärsche für Abrüstung und gegen Krieg erklärte der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, Manfred Stenner, in Bonn: "Die Nachrichten zu Ostern erinnern uns an die gern verdrängte brutale Realität des Afghanistankrieges und auch seine Aussichtslosigkeit." Er sagte weiter: "Jetzt sollte ernsthaft umgedacht werden."

Seit Beginn des Afghanistaneinsatzes 2001 sind bislang 39 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Zwanzig von ihnen fielen Anschlägen und Gefechten zum Opfer. Einsatzgebiet der Bundeswehr ist weiterhin der Norden Afghanistans. Das Mandat läuft bis Februar 2011.