Terrorismus, Drogenanbau, Korruption, Warlords – Afghanistan hat zahlreiche Probleme, die ein Ende der Gewalt in dem Krisenstaat utopisch erscheinen lassen. Die interaktive Afghanistan-Karte von ZEIT ONLINE zeigt unter anderem, wo die Aufständischen besonders aktiv sind, wo Schlafmohn angebaut wird und wo die internationalen Soldaten stationiert sind.

Der Einsatz der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) geht in das zehnte Jahr. 2001 besiegten amerikanische Soldaten gemeinsam mit der afghanischen Nordallianz die Taliban. Der US-Einsatz am Hindukusch begann nach den Terroranschlägen in New York und Washington am 11. September.

Die Bundeswehr beteiligt sich seit Dezember 2001 an der Isaf. Deutsche Soldaten waren zunächst nur in Kabul stationiert und übernahmen Mitte 2006 die Verantwortung für das Regionalkommando Nord. Dort sind die Deutschen für die militärische Aufklärung, medizinische Versorgung, den Flughafen von Masar-i-Scharif und zwei der fünf Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in der Region in Kundus und Feyzabad zuständig.

Der Einsatz wird für die Männer und Frauen der Bundeswehr zunehmend gefährlicher. Bislang starben 39 deutsche Soldaten in Afghanistan – 20 von ihnen fielen Anschlägen und Gefechten zum Opfer. Besonders die Region Kundus gilt als unsicher.

Im Süden des Landes allerdings sind die Taliban wesentlich stärker als im Norden. Dort leben überwiegend Paschtunen, aus deren Reihen die Taliban fast ausschließlich ihre Kämpfer rekrutieren. Die Taliban sind aber nicht die einzigen Gegner der Regierung Karsai und der Isaf. Die Soldaten kämpfen auch gegen Terroristen aus den arabischen Staaten, aus Ostafrika und auch aus Europa, die vom Terrornetzwerk al-Qaida für den Kampf gegen die als "ungläubigen Besatzer" beschimpfte Isaf  gewonnen wurden. Die Aufständischen haben in mehreren Regionen bereits die Macht übernommen und Schattenregierungen etabliert. Sie haben in ihrem Herrschaftsgebiet das traditionelle Rechtssystem der Scharia eingeführt und setzen drakonische Strafen durch. Da die Justiz der Islamischen Republik Afghanistan jedoch als käuflich und inkompetent gilt, suchen die Menschen zum Teil auch freiwillig die Taliban-Richter auf.

Präsident Hamid Karsai, der von Gegnern als "Bürgermeister von Kabul" verspottet wird, hat in vielen Regionen des Landes nur sehr geringen Einfluss. Ihm wird von unabhängigen Beobachtern massiver Wahlbetrug vorgeworfen. Präsident Barack Obama forderte ihn jüngst mehrfach auf, stärker gegen Korruption und den Handel mit Drogen vorzugehen.

In sein Kabinett berief Karsai ehemalige Warlords, denen Kriegsverbrechen und Nähe zur Drogenproduktion vorgeworfen werden. Auch Karsais Bruder soll in das Schlafmohngeschäft im Süden involviert sein. Das Parlament lehnte die Kandidaten ab. Nun stehen im September die Parlamentswahlen an. Die Taliban drohten damit, die Wähler mit Anschlägen und Drohungen von der Stimmenabgabe abzuhalten. Zudem befürchten internationale Organisationen einen weiteren Wahlbetrug Karsais. Afghanistan steht vor entscheidenden Monaten. Wo es besonders gefährlich wird, zeigt die interaktive Karte.