Bei einem der schwersten Gefechte, in das die Bundeswehr in Afghanistan bislang verwickelt wurde, sind drei deutsche Soldaten getötet worden. Mindestens fünf weitere Soldaten seien zum Teil schwer verletzt worden, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit. Die Patrouille sei südwestlich von Kundus in der Provinz Char Darah in einen Taliban-Hinterhalt geraten und unter anderem mit Panzerfäusten beschossen worden.

Nach Angaben des Provinzgouverneurs Mohammed Omar hatten sie auf dem Weg nach Char Darah nahe der tadschikischen Grenze Sprengstofffallen an der Straße entdeckt. Als sie diese entschärfen wollten, seien sie von einer großen Zahl von Taliban-Kämpfern angegriffen worden. Bei den Kämpfen wurde laut Omar der Taliban-Kommandeur Mullah Habib getötet. Auch ein Isaf-Sprecher in Kabul bestätigte die Vorfälle. Nach Angaben des Distriktchefs Abdul Wahid Omarchel sind die Gefechte inzwischen beendet. Die Taliban hätten sich zurückgezogen. Die Toten und Verletzten wurden geborgen und mit Hubschraubern ins Feldlager Kundus gebracht.

Char Darah liegt nur wenige Kilometer vom Bundeswehrstützpunkt Kundus entfernt und gilt als gefährlichster der sechs Distrikte in der nordafghanischen Provinz. Von dort gab es immer wieder Angriffe und Anschläge auf Bundeswehrsoldaten. Im Oktober 2008 wurden dort zwei Soldaten bei einem Selbstmordanschlag getötet, im Juni 2009 starben drei Soldaten, als sie während eines Gefechts mit ihrem Panzer verunglückten. Nach Informationen eines Spiegel-Online-Reporters, der sich vor Ort im Camp befindet, hatte die Bundeswehr kürzlich einen neuen Vorposten in der Region errichtet, von dem aus die Soldaten die Region besser überblicken können. Schon bei Errichtung des Postens sei es zu schweren Auseinandersetzungen mit den Taliban in der Region gekommen.

Im Norden Afghanistan sind derzeit etwa 4300 deutsche Soldaten stationiert. Bisher waren beim Einsatz in Afghanistan nach Angaben des Verteidigungsministeriums 36 Soldaten der Bundeswehr gefallen. Der jüngste Vorfall ist der erste tödliche Zwischenfall für die deutschen Einsatzkräfte in diesem Jahr. 

Bundesregierung zeigt sich "entsetzt"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Angriff auf die Bundeswehr. "Mit großer Bestürzung habe ich von dem verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriff auf unsere Soldaten in Afghanistan gehört", hieß es in einer Erklärung der Kanzlerin. Merkel sagte, sie trauere mit den Angehörigen um die Opfer und wünsche den Verwundeten rasche und vollständige Genesung. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, der Angriff richte "sich nicht nur gegen deutsche Soldaten, sondern auch gegen das ganze afghanische Volk." Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) unterbrach seinen Osterurlaub. Er wird nach Angaben seines Ministeriums früher nach Deutschland zurückkehren.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), der sich seit Donnerstag in Afghanistan aufhält, sprach von einem "schändlichen Angriff". "Die Bundesregierung und ich ganz persönlich sind entsetzt und tief erschüttert", sagte Niebel. Der Angriff mache deutlich, wie gefährlich das Engagement der Soldaten und der zivilen Kräfte in Afghanistan sei. Gleichzeitig mache er deutlich "wie wichtig dieses Engagement ist, damit diesen Terroristen nicht die Chance gegeben wird, sich durchzusetzen". Seinen geplanten Abstecher nach Kundus sagte der Entwicklungsminister ab. Niebel sagte, er werde im Hauptquartier in Masar-i-Scharif bleiben und gegebenenfalls mit den verwundeten Soldaten sprechen.

Auch die SPD sprach den Angehörigen und Freunden der getöteten Soldaten ihr Mitgefühl aus.Bestürzt und "tief betroffen" zeigten sich auch die Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin. "Der Vorfall zeigt, wie dringend eine Stabilisierungs- und Abzugsperspektive für Afghanistan ist", hieß es in einer Mitteilung. Die Linke forderte den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.