Die Verschärfung des Einwanderungsgesetzes des US-Bundesstaates Arizona belastet die Beziehungen zum Nachbarstaat Mexiko. Dessen Regierung warnte ihre Bürger offiziell vor Reisen nach Arizona. Auch innerhalb der USA wächst der Widerstand: Das Justizministerium will das Gesetz prüfen, Vertreter der Städte Los Angeles und San Francisco riefen zu einem Wirtschaftsboykott gegenüber Arizona auf.

Durch die Verschärfung des Einwanderungsgesetzes werde in Arizona gegenüber Migranten und Besuchern aus Mexiko eine "feindselige politische Atmosphäre" geschaffen, teilte das Außenministerium in Mexiko-Stadt mit. Jeder Mexikaner müsse damit rechnen, "jederzeit ohne erkennbaren Grund behelligt und befragt zu werden". Das Ministerium rief seine Bürger auf, stets Ausweise bei sich zu tragen.

Das Gesetz, das frühestens in 90 Tagen in Kraft tritt, sieht vor, dass Polizisten Menschen auf bloßen Verdacht hin festnehmen und ihre Papiere überprüfen dürfen. Außerdem können Bürger künftig Polizei und Behörden in Arizona dazu veranlassen, Ausländer zu überprüfen, um festzustellen, ob sie sich wirklich legal im Land aufhalten. Die republikanische Gouverneurin Arizonas, Jan Brewer, verteidigte die Maßnahme als Mittel gegen grenzüberschreitende Kriminalität.

Das Gesetz werde "ohne Zweifel" den Reiseverkehr zwischen Mexiko und Arizona beeinträchtigen, sagte der Chef der mexikanischen Fluggesellschaft Aeromexico, Andres Conesa. "Wegen der Art und Weise, wie unsere Landsleute behandelt werden, haben wir die Zahl der Flüge dorthin deutlich reduziert", sagte er.

Mexikos Präsident Felipe Caldéron hatte bereits am Montag davor gewarnt, dass das Gesetz die freundschaftlichen, wirtschaftlichen und touristischen Beziehungen zwischen Mexiko und Arizona bedrohe. Er kritisierte das Gesetz als "Rassendiskriminierung".

Auch in den USA selbst wird die Neuregelung scharf kritisiert. Mehrere Vertreter der kalifornischen Städte Los Angeles und San Francisco machten sich für einen Wirtschaftsboykott gegenüber Arizona stark. In San Francisco brachte ein Stadtvertreter einen Antrag mit der Forderung ein, die Verträge mit Unternehmen aus Arizona auf Eis zu legen. Zudem rief er die heimischen Unternehmen darin auf, von Geschäften mit dem Bundesstaat abzusehen.

Vertreter der US-Justiz hegten "tiefe Bedenken" gegenüber dem Einwanderungsgesetz, sagte Heimatschutzministerin Janet Napolitano vor dem Justizausschuss des Senats. Das Justizministerium prüfe bereits, ob die Neuregelung mit der Verfassung vereinbar sei. US-Präsident Barack Obama hatte das Gesetzesvorhaben schon vorher als "fehlgeleitet" kritisiert.

Mehrere Immigranten-Verbände riefen für den 1. Mai zu einer Großkundgebung gegen das Gesetz in Los Angeles auf. Tausende Menschen, zumeist hispanischer Abstammung, hatten bereits am Sonntag in Arizonas Hauptstadt Phoenix protestiert. In dem US-Bundesstaat leben rund 460.000 Einwanderer ohne Papiere. Die meisten stammen aus Lateinamerika. Insgesamt halten sich in den USA rund elf Millionen Menschen illegal auf, darunter schätzungsweise sechs Millionen Mexikaner.