Gut eine Woche nach den blutigen Straßenschlachten in Bangkok ist die thailändische Armee erneut ausgerückt. Hunderte Soldaten marschierten in der Nacht zum Montag (Ortszeit) im Finanzviertel auf. Sie bezogen Position vor Banken und Firmengebäuden und errichteten Absperrungen aus Stacheldraht und Metall. Ihre Aufgabe sei es, Demonstrationen der Opposition zu blockieren, sagte ein Soldat. Die Truppen bereiten sich auf den Ansturm der sogenannten Rothemden vor.

Für Dienstag hatten diese eine Großkundgebung gegen Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva angekündigt. Die Rothemden, die zumeist aus den ärmeren, ländlichen Gegenden im Norden Thailands stammen, fordern Abhisits Rücktritt und sofortige Neuwahlen. Sie werfen dem Ministerpräsidenten vor, nur im Interesse der Eliten des Landes zu regieren.

In der Umgebung der Silom Street waren nach Schätzungen 1500 Soldaten mit Maschinengewehren auf den Straßen und Hunderte teils bewaffnete Polizisten. Einsatzkräfte patrouillierten mit Sturmgewehren und Schrotflinten. Ein Armeesprecher bestätigte, dass die Einsatzkräfte mit scharfer Munition bewaffnet werden. Die Sicherheitskräfte hätten das Recht, sich selbst zu schützen, sagte der Sprecher. "Sie werden während ihres Einsatzes mit scharfer Munition ausgestattet, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu verteidigen." Beim jüngsten Einsatz der Armee am 10. April hatten sich die Demonstranten widersetzt. Bei den anschließenden Straßenschlachten waren mehr als 800 Menschen verletzt worden, 25 starben, darunter fünf Soldaten.

Ein anderer Armeesprecher forderte die Opposition auf, keine Kinder und alte Leute in vorderer Linie demonstrieren zu lassen. Das Vorgehen der Streitkräfte werde schrittweise von sanft auf hart gesteigert. Die Sicherheitskräfte hätten klaren Befehl, eine Ausweitung der Proteste auf andere Viertel zu verhindern.

Die Demonstranten hatten am Wochenende gedroht, als nächstes das Finanzviertel zu überrennen, um ihrer Forderung nach einem Rücktritt der Regierung Nachdruck zu verleihen. Sie halten bereits seit Ostern ein wichtiges Geschäftsviertel besetzt, in dem viele Einkaufszentren und Luxushotels liegen. Es gilt zwar seit fast zwei Wochen der Ausnahmezustand, der Versammlungen von mehr als fünf Menschen verbietet, doch ignorieren die oft mit roten T-Shirts bekleideten Demonstranten dies – und die Sicherheitskräfte ließen sie bislang gewähren. Die Anführer des Oppositionsbündnisses UDD wollten neue Demonstrationsorte nur noch kurzfristig verkünden, sagten sie.

Das Idol der Rothemden, der 2006 vom Militär gestürzte Regierungschef Thaksin Shinawatra, bekräftigte die Forderung nach Neuwahlen. Sollte Abhisit diese verweigern, drohten weitere militärische Gewalt und am Ende ein Putsch, warnte Thaksin. In die Bemühungen um ein Ende der Krise schalteten sich auch die Oppositionsführer und früheren Ministerpräsidenten Chavalit Yongchaiyudh und Somchai Wongsawat ein. Sie baten König Bhumibol Adulyedej um eine Audienz in der Hoffnung, er könne die Krise beenden. Er ist eine wichtige Integrationsfigur in Thailand. Allerdings liegt der 82-Jährige seit Monaten im Krankenhaus.