Die Europäische Union bemüht sich um eine Verkleinerung der Flugverbotszone um den isländischen Vulkan Eyjafjallajökull. Der Luftraum soll nur noch dort gesperrt bleiben, wo eine bestimmte Konzentration der Aschewolke überschritten wird. Darauf hätten sich die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten in einer Videokonferenz geeinigt, sagte Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel. "Von morgen früh an werden mehr Flugzeuge in der Luft sein." Das Gebiet, in dem geflogen werden dürfe, werde deutlich größer als bisher sein.

Der Luftraum über Europa wird in drei Zonen eingeteilt: In der ersten gilt ein absolutes Flugverbot, im zweiten können die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie Flugzeugen das Abheben erlauben, und im dritten Bereich ohne Asche-Gefahr ist das Fliegen ohne Einschränkung erlaubt. Entscheidendes Kriterium werden Satellitenbilder und Daten der Aschewolke sein.

Kallas kündigte an, dass die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol bis Dienstag um 8 Uhr entscheiden wird, wo die Zonen verlaufen und welche Daten dafür ausschlaggebend sind. Aus Sicherheitsgründen sei es möglich, den Flugbetrieb wieder aufzunehmen. "Es wird keinen Kompromiss auf Kosten der Sicherheit geben. Das garantieren unsere Experten bei Eurocontrol und bei unseren nationalen Mitgliedsstaaten, die in dieser Frage eng zusammenarbeiten", sagte der Kommissar.

Zuvor hatte der Chef des Luftfahrtverbandes IATA, Giovanni Bisignani, gefordert: "Wir müssen von diesen Pauschal-Schließungen wegkommen und Wege zur flexiblen Öffnung des Luftraums finden, Schritt für Schritt." Die Sperrungen beruhten auf Berechnungen und nicht in erster Linie auf Messungen. Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo sagte, es werde versucht, eine realistische Risikoanalyse zu erstellen.

Großbritannien und Frankreich hatten bereits für Dienstagmorgen eine schrittweise Öffnung ihrer Lufträume angekündigt. Die Konzentration an Asche in der Luft sei zurückgegangen, teilte die britische Flugsicherung Nats mit. Zunächst würden um 8 Uhr wieder Flüge in Schottland und Nordengland freigegeben. Die französische Regierung kündigte für dieselbe Zeit die Öffnung von Flugkorridoren nach Paris an. Damit könnte "die größtmögliche Zahl von Passagieren" von Übersee nach Hause geholt werden. Von Schiphol in den Niederlanden sollten in der Nacht die ersten Passagierflugzeuge abheben.

In Deutschland sollten Luftfahrtunternehmen den Rücktransport von Passagieren aus dem Ausland beantragen können, sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer. "Das Ergebnis ist also, dass wir aufgrund solcher Genehmigungen einen kontrollierten, eingeschränkten Flugbetrieb nach Deutschland ermöglichen können." Die Lufthansa werde am Dienstag rund 50 Rückflüge starten. "Insgesamt wurde bislang von zehn Fluggesellschaften ein solcher Antrag gestellt."

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sagte, das Verkehrsministerium sei zudem in Gesprächen über eine Lockerung des Lkw-Fahrverbots am Wochenende auf europäischer Ebene. Dies solle dazu beitragen, dass die von der Aschewolke betroffenen Staaten möglichst schnell zum Normalzustand zurückkehren könnten.