Eigentlich sollte Maria Kaczyński mit ihrem Mann Lech von Smolensk nach Warschau überführt und neben dem polnischen Präsidenten aufgebahrt werden. Doch dies war nicht möglich. Die Gerichtsmediziner tun sich schwer damit, die Leichen nach dem verheerenden Flugzeugabsturz zu identifizieren. Nach Angaben der polnischen Gesundheitsministerin Ewa Kopacz sind bisher lediglich 14 Opfer des Unglücks eindeutig bestimmt worden. 20 weitere Leichname könnten aufgrund besonderer Merkmale zugeordnet werden. Eine erste Gruppe von Angehörigen der Unglücksopfer flog daher am Sonntagabend nach Moskau, um Verwandte zu identifizieren. In allen anderen Fällen werden DNA-Analysen nötig sein.

Lech Kaczyński soll am Dienstag öffentlich aufgebahrt werden, damit seine Landsleute ihm die letzte Ehre erweisen können. Mitarbeiter des Präsidialamtes und von Ministerpräsident Donald Tusk werden heute über die Beerdigung beraten. Bislang ist noch unklar, wann und wo sie stattfinden soll. Der mit der weiß-roten Flagge Polens bedeckte Sarg Kaczyńskis war am Sonntag nach Warschau überführt worden.

Die kranke und betagte Mutter des verunglückten Präsidenten wurde nach Klinikangaben nicht über den Tod ihres Sohnes informiert. Angesichts des Gesundheitszustandes von Jadwiga Kaczyńska habe der Zwillingsbruder des Verstorbenen entschieden, dass ihr nichts gesagt werden solle, sagte ein Sprecher des Militärkrankenhauses von Warschau. Die 83-Jährige wird dort seit Mitte März wegen Herzproblemen auf der Intensivstation behandelt.

In Russland wird am heutigen Montag mit einem nationalen Trauertag der Toten des Flugzeugabsturzes von Smolensk gedacht. US-Außenministerin Hillary Clinton trug sich am Sonntag in der polnischen Botschaft in Washington in das Kondolenzbuch ein. Sie habe großes Vertrauen in die Zukunft Polens, sagte sie vor Journalisten.

Beim Absturz der polnischen Präsidentenmaschine, einer russischen Tupolew-154, starben am Samstag 96 Menschen. Außer Kaczyński und seiner Frau Maria waren Generalstabschef Franciszek Gagor, Notenbankchef Slawomir Skrzypek sowie zahlreiche weitere Vertreter der politischen, militärischen und geistlichen Elite des Landes unter den Toten. Die Delegation wollte des Massakers von Katyn gedenken, bei dem sowjetische Einheiten 1940 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 22.000 Polen ermordet hatten.

Als Ursache des Unglücks wird menschliches Versagen angenommen. Offenbar hatten die Piloten den Rat der russischen Fluglotsen nicht beachtet, wegen des dichten Nebels auf den Flughafen Minsk auszuweichen. Beim vierten Landeversuch streifte die Maschine Baumwipfel und stürzte in ein Waldgebiet.