Wie das irakische Innenministerium mitgeteilt hat, haben fünf große Explosionen vornehmlich von Schiiten bewohnte Stadtviertel Bagdads erschüttert. Bei einer davon habe es sich um die Tat eines Selbstmordattentäters gehandelt, der sich in einem Café in einem belebten Stadtteil im Zentrum der Stadt in die Luft gesprengt habe. Mindestens 28 Menschen kamen dabei ums Leben, 60 wurden verletzt.

Erst am Ostersonntag waren bei einer gegen die deutsche und weitere Botschaften in Bagdad gerichteten Anschlagsserie mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 220 Menschen wurden nach amtlichen Angaben verletzt. Die drei Attentäter hatten binnen weniger Minuten ihre mit Sprengstoff beladenen Fahrzeuge vor dem Eingang der ägyptischen Botschaft, der iranischen Botschaft sowie in der Nähe der deutschen, spanischen und syrischen Botschaften gezündet. Die irakische Regierung machte das Terrornetzwerk al-Qaida für die Anschläge verantwortlich.

Viele Einwohner Bagdads vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Terror und den Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung nach der Parlamentswahl vor vier Wochen. Die Anschläge hätten sich gegen Botschaften von Staaten gerichtet, die sich im Irak politisch "einmischten" wie Syrien, Iran und Ägypten, wurde spekuliert. "Alle diese Explosionen sind nur wegen des Streits um die Macht und um die Regierungsbildung", schrie ein Mann in einer Straße, durch die dichte Rauchschwaden zogen und viele Polizei- und Rettungswagen mit Sirenengeheul rasten.

Die politischen Parteien versuchen derzeit, eine Regierungskoalition zu schmieden. Dabei müssen unterschiedliche politische Strömungen und Glaubensrichtungen berücksichtigt werden. Wahlsieger Ijad Allawi, der an der Spitze eines säkularen Bündnisses steht, will Nachfolger des amtierenden schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki werden. Doch Al-Maliki, dessen Bündnis den zweiten Platz belegt, will an der Macht bleiben. Er versucht dafür eine Allianz mit den Kurden und den anderen religiösen Schiiten-Parteien zu schmieden.