Afghanistans Präsident Hamid Karsai versuchte, im Gespräch mit US-Außenministerin Hillary Clinton die durch seine Äußerungen zum Wahlbetrug entstandenen Verstimmungen zu den USA auszuräumen. Er drückte dabei seine Anerkennung für "die Beiträge und Opfer" der internationalen Gemeinschaft für sein Land aus, wie das US-Außenamt mitteilte.

Karsai habe sich in dem "konstruktiven" Gespräch mit Clinton sein Bekenntnis zur Partnerschaft zwischen beiden Ländern bekräftigt, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley. Clinton und Karsai hätten sich versichert, "im Geiste der Partnerschaft" weiter zusammenzuarbeiten.

US-Beamten zufolge entschuldigte sich Karsai nicht ausdrücklich für seinen Vorwurf, das Ausland sei für den Betrug bei der Präsidentschaftswahl im August verantwortlich. Er hatte am Donnerstag in einer Rede von "weit verbreitetem Betrug" bei den Wahlen gesprochen und hinzugefügt: "Nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, sondern die Ausländer." Karsai beschuldigte insbesondere den früheren stellvertretenden UN-Missionschef in Afghanistan, Peter Galbraith, und den Chef der EU-Wahlbeobachtermission, Philippe Morillon, die Wahlen manipuliert zu haben.

Für seine Äußerungen wurde Karsai von internationaler Seite heftig kritisiert. Ein US-Beamter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, der Präsident habe sich im Gespräch mit Clinton "verwundert" über den Wirbel um seine Aussagen gezeigt. Die Außenministerin habe Karsai aufgefordert, den Blick nach vorn zu richten, um die "gemeinsamen Ziele" nicht aus den Augen zu verlieren.

Dem Telefonat vorausgegangen war ein Gespräch zwischen Karsai und dem US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry. Dieser hatte den Präsidenten während des Treffens um eine Klärung seiner Äußerungen gebeten.

Das Weiße Haus hatte sich in ungewöhnlich scharfem Ton zu den Vorwürfen Karsais geäußert. "Die Äußerungen von Präsident Karsai sind irritierend", sagte Präsidentensprecher Robert Gibbs. "Sie geben uns Anlass für wirkliche und ernsthafte Sorge." Auf die Frage, ob Präsident Barack Obama den afghanischen Präsidenten wie geplant am 12. Mai in Washington empfangen werde, sagte Gibbs: "Nach derzeitigem Stand ja."

Obama hatte den afghanischen Präsidenten erst vor wenigen Tagen in Kabul besucht und ihn wegen der weitverbreiteten Korruption in Afghanistan öffentlich kritisiert.

Karsai war im November zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärt worden, nachdem sein Herausforderer aus Protest gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug nicht zur geplanten Stichwahl antrat.