Bewaffnete Banden haben sich in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Hunderte Menschen besetzten laut amtlicher Nachrichtenagentur Kabar zunächst Grundstücke in der Ortschaft Majewka, nachdem sie sich Auseinandersetzungen mit den Eigentümern geliefert hatten.

Dann zogen die Besetzer mit Steinen und Stöcken bewaffnet in die nahegelegene Hauptstadt Bischkek. Dort zwangen sie Bürgermeister Isa Omurkulow, ihnen das besetzte Land auch offiziell zu geben. Nachdem Omurkulow die Besitzurkunde unterschrieben hatte, zogen die Demonstranten wieder ab. Zuvor waren Schüsse gefallen. Nach Polizeiangaben entzündete die aufgebrachte Menge drei Einsatzwagen.

In Majewka wurde ein Mensch getötet, mindestens 15 weitere wurden verletzt, wie kirgisische Medien berichteten. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums schloss nicht aus, dass die Zahl der Opfer deutlich höher liegen könnte. Dutzende Plünderer wurden festgenommen.

Die Übergangsregierung in Bischkek setzte rund 1000 Mann des Verteidigungs- und des Innenministeriums sowie Panzer in Marsch, um Plünderungen und Brandschatzungen zu verhindern. Nach dem blutigen Volksaufstand Anfang April forderten Anhänger Bakijews die Rückkehr des Präsidenten.

In Bischkek hatten am Montag viele Polizisten die Arbeit verweigert, zur Begründung hieß es, sie seien unzufrieden mit ihren Löhnen und der neuen Führung des Innenministeriums. Die Übergangsregierung unter der Sozialdemokratin Rosa Otunbajewa ernannte auf Druck der Polizisten Vize-Innenminister Bakyt Alynbajew zum neuen Behördenchef. Die Kommunistische Partei Kirgistans warf Otunbajewa vor, die Lage nicht unter Kontrolle zu haben. Die Lage hatte sich in den vergangenen Tagen nach der Flucht Bakijews zunächst beruhigt.

Aus der Stadt Dschalal-Abad im Süden, wo Bakijew seine Heimat hat, gab es Berichte über eine Übernahme der Provinzverwaltung. Demnach habe Bakijew per Telefon dort einen seiner Anhänger als Gouverneur eingesetzt. Experten befürchten, dass sich der Süden Kirgistans zu einer Drogenhochburg entwickeln könnte, in der Bakijews Clan enge Verbindungen zu Kartellen unterhält.

Bakijews Aufenthaltsort war zunächst weiter unklar. Das kasachische Außenministerium teilte mit, der Ex-Präsident habe sein Land wieder verlassen. In welche Richtung sei aber nicht bekannt. Der autoritäre weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte Bakijew Exil angeboten.

Dessen Anhänger teilten hingegen mit, "der Präsident" werde in Kürze in Kirgistan landen, um wieder zu regieren. Dem 60-Jährigen droht im Fall seiner Rückkehr die Festnahme. Er und seine Familie werden für den Volksaufstand mit mehr als 80 Toten und 1600 Verletzten Anfang April verantwortlich gemacht. Die internationale Gemeinschaft hatte die neue Führung anerkannt und Hilfe zugesichert. Russland hatte in die Ex-Sowjetrepublik 150 zusätzliche Soldaten entsandt, um eigene Militärstützpunkte besser zu schützen.