Unkonventionell wäre nur eines der Adjektive, um Kolumbiens aufstrebenden Präsidentschaftskandidaten Antanas Mockus zu beschreiben. Seine Kritiker sagen: zu steif, zu ernst, zu emotionslos. In der politischen Debatte ist er stets philosophisch und trocken wie Brot. Doch seine Anhänger finden ihn unverbraucht und halten ihn genau deshalb richtig für das Amt.

Richtig ist, dass Antanas Mockus, Kandidat der kolumbianischen Grünen, mit einem Wahlversprechen nach dem Präsidentensessel greift, das bislang wenig von den Mitte-Links-Politikern Südamerikas bemüht wurde. Er verspricht kein verfassungsgebendes Konvent oder gar eine neue Revolution. Er verspricht schlicht Transparenz und Einhaltung der politischen Spielregeln. Dem Konzept der "Demokratischen Sicherheit", das sein Vorgänger Alvaro Uribe prägte, setzt Mockus seine Idee der "Demokratischen Legalität" entgegen. "Das Hauptproblem Kolumbiens liegt im Gesetzesverstoß und seiner Rechtfertigung", schrieb der studierte Mathematiker und Philosoph in einem Beitrag für die kolumbianischen Tageszeitung El Tiempo.

Mit diesem Ansatz ist der Präsidentschaftskandidat seit Donnerstag in Umfragen auf den zweiten Platz aufgestiegen. In einer Stichwahl würde er gar gewinnen und seinen Gegenkandidaten Juan Manuel Santos auf den zweiten Platz verdrängen.

Käme Mockus am kommenden 30. Mai an die Macht, würde indessen kein unerfahrener Politiker Verantwortung für das Land übernehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass Mockus Politik macht. Der Sohn litauischer Einwanderer war Rektor der angesehenen Universidad Nacional de Colombia bevor er von 1995 bis 1999 und von 2001 bis 2004 als Bürgermeister die Geschicke der Hauptstadt Bogotá leitete.

Bereits als Bürgermeister hat Mockus gezeigt, wie er den Regelverstoß und seine Rechtfertigung in eine verlässliche Erfüllung rechtlicher Normen umkehrte. Er stellte Schauspieler ein, die an den Straßen Bogotás die Leute zum Überqueren der Zebrastreifen einluden. Das Konzept war solch ein Erfolg, dass er mehr Schauspieler einstellen musste. Mockus teilte rote und gelbe Karten aus, damit die Menschen in Bogotá den zivilen Umgang mit ihren Nachbarn beurteilten. Zudem sanierte er die Stadtfinanzen und machte die Stadt mit seinen bürgerpädagogischen Maßnahmen sicherer.

Aus seiner Zeit als Uni-Rektor ist die Geschichte überliefert, dass ihn Studenten während einer Vorlesung laufend unterbrachen. Mockus drehte sich um, zog seine Hose runter und zeigte den Studenten sein nacktes Hinterteil. Seinen Job als Rektor der Universität musste er nach dieser Episode abgeben. Doch die Studenten sollen wenigstens an diesem Tag kein Krach mehr im Vorlesungssaal gemacht haben.

Mockus könnte den jetzigen Präsidenten Uribe im Amt beerben. Der konservative Uribe hatte bis zuletzt versucht, eine dritte Kandidatur anzutreten. Doch der oberste Gerichtshof erklärte dieses Vorhaben mit der Verfassung nicht vereinbar. Sein Konzept der "Demokratischen Sicherheit" hatte ihm über die Jahre große Popularität verschafft. Zwar hat Uribe in seiner Amtszeit mit seinen Maßnahmen die Mordrate und die Entführungen reduziert und dafür gesorgt, dass im ganzen Land die Straßen wieder sicherer vor der linken Farc-Guerrilla sind.