Nach wochenlangem Streit hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Entschädigungs-Verhandlungen mit dem Anwalt einiger Opfer der Luftschläge von Kundus, Karim Popal, abgebrochen. "Bei Herrn Popal ist bis heute die Mandatslage ungeklärt", begründete der Minister.

Zudem sei die von dem Anwalt vorgeschlagene Verwendung der Entschädigung in Höhe von mehreren Millionen Euro für Projekte in der Unruheregion Char Darah bei Kundus "derzeit nicht umsetzbar". Die Entschädigungs-Verhandlungen sollen nun vom Auswärtigen Amt und vom Entwicklungsministerium direkt mit den Stammesältesten vor Ort geführt werden.

Bei Herrn Popal ist bis heute die Mandatslage ungeklärt
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

Bei den von Bundeswehr-Oberst Georg Klein befohlenen Luftschlägen auf zwei Tanklaster in Char Darah waren am 4. September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Wie viele Zivilisten darunter waren, ist bis heute unklar.

Das Verteidigungsministerium hatte im Winter eine Soforthilfe im Wert von 150.000 Euro für Brennholz, Decken, Kocher und Lebensmittel zur Verfügung zugesagt. In den Verhandlungen mit dem Bremer Anwalt Popal ging es um eine zweite Entschädigungssumme, mit der Projekte in der Region gefördert werden sollen.

Popal hatte laut Verteidigungsministerium gesagt, er vertrete 80 Angehörige von Opfern des Bombardements. Später kam eine Menschenrechtsorganisation auf das Ministerium zu, die für teilweise dieselben Mandanten sprach.

Die unklare Mandatslage ist aber nur einer der Gründe für den Abbruch der Verhandlungen. Popal schlug vor, ein Witwen- und Waisenhaus sowie eine Teppichknüpferei in Char Darah mit den Regierungsgeldern bauen zu lassen. Nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums könnten solche Großprojekte aber innerhalb kürzester Zeit zum Anschlagsziel für radikal-islamische Taliban werden. Nun sollen kleinere Projekte in der Region für eine Förderung gefunden werden.