Iraks Ministerpräsident Nouri al-Maliki bekommt wegen seiner Versuche, das Wahlergebnis zu verändern, Druck von allen Seiten. Ein Sprecher der Fraktion des Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr sagte in einem Interview der Bagdader Tageszeitung Al-Bajjina al-Dschadida: "Die Forderung der Regierung nach einer Neuauszählung der Stimmen und nach einem politischen Betätigungsverbot (für Anhänger der Baath-Partei von Exdiktator Saddam Hussein) sind letztlich nur Trumpfkarten, die al-Maliki und seine Allianz aus dem Ärmel ziehen, um an der Macht zu bleiben."

Zuvor war al-Maliki bereits von US-Außenministerin Hillary Clinton kritisiert worden. Clinton hatte am Dienstag gemahnt: "Transparenz und Rechtsstaatlichkeit sind unverzichtbar, wenn es darum geht, die Glaubwürdigkeit des Wahlprozesses und das Vertrauen des irakischen Volkes in ihr demokratisches System zu erhalten."

Eine von al-Maliki besetzte Regierungskommission für die Entfernung von Baathisten aus öffentlichen Ämtern hat damit gedroht, mehrere Kandidaten, die bei der Parlamentswahl vom 7. März ein Mandat errungen hatten, nachträglich zu disqualifizieren. Al-Maliki hatte zudem mit einer Klage eine erneute Auszählung der Stimmzettel aus der Hauptstadt Bagdad durchgesetzt. Der Sprecher der Sadr-Bewegung vermutet jedoch, dass diese Neuauszählung al-Maliki keine weiteren Sitze bescheren wird, sondern dass seine Koalition sogar zwei Sitze weniger als bisher erhalten wird. Al-Maliki war mit landesweit 89 Mandaten auf dem zweiten Platz hinter Exregierungschef Ijad Allawi mit 91 Stimmen gelandet.

Allawis Al-Irakija-Bündnis rief derweil die Vereinten Nationen, die Arabische Liga und die Organisation der islamischen Konferenz auf, in Bagdad für die Gründung einer Übergangsregierung zu sorgen, und die Wahl "fernab von politischen Manipulationen" wiederholen zu lassen.

Die US-Armee berichtete, einer ihrer Soldaten sei bei einer Sprengstoffattacke in der nordöstlich von Bagdad gelegenen Provinz Dijala ums Leben gekommen. Im Norden Bagdads waren am Dienstagabend vier Angehörige einer Familie mit einer Magnetbombe, die an einem Taxi befestigt worden war, getötet worden. In Mussajib südlich von Bagdad töteten Extremisten einen Restaurantbesitzer. Wie die Agentur Al-Yaqen weiter berichtete, starb ein Soldat durch einen Sprengstoffanschlag in der Stadt Mossul.