Frage: Botschafter Prawda, Sie kannten fast alle Menschen an Bord der Unglücksmaschine. Was geht nun in Ihnen vor?

Marek Prawda: Ich habe das erst nicht geglaubt. Viele langjährige Freunde und Kollegen waren in dem Flugzeug, etwa der Vizeaußenminister oder der Protokollchef. Das Ausmaß ist erschütternd. Ein unvorstellbarer Aderlass für mein Land, eine Tragödie.

Frage: Wie sind ihre persönlichen Erinnerungen an Lech Kaczyński und an seine Frau?

Prawda: Ich habe Lech Kaczyński oft erlebt, zuletzt beim Besuch des deutschen Außenministers Guido Westerwelle in Warschau. Kaczyński hat sich sehr viel Zeit genommen, ihn durch den Präsidentenpalast geführt – und er hat ihm den runden Tisch gezeigt, an dem die Demokratie in meinem Land wieder hergestellt wurde. Lech Kaczyński war ja am Übergang zur Demokratisierung aktiv beteiligt. Er war einer, der von Anfang an den Wandel in Polen begleitet hat – einen Wandel, von dem auch Deutschland profitiert hat. Vermissen werden wir auch Maria Kaczyńska. Meine Frau und ich hatten ein gutes Verhältnis zu ihr, sie lebte geradezu ihr Amt als First Lady, und sie hat sich sehr für Deutschland interessiert.

Der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda © Piotr Rybarczyk/​dpa

Frage: In der Nähe des Unglücksortes ließ Stalin 1940 Tausende Angehörige von Polens Elite ermorden. Gibt es einen "Fluch von Katyn"?

Prawda: Nein, den gibt es nicht. Es gab lange Zeit unterschiedliche Wahrnehmungen und auch Lügen über Katyn, die Polen und Russen getrennt haben. Doch jetzt hatten wir vor einer Woche das Treffen der Ministerpräsidenten Tusk und Putin, an dem beide eine gemeinsame Sprache gefunden haben. Schon das hat gezeigt: Aus Katyn kann auch eine Hoffnung entstehen. Die Tragödie von Smolensk geht in die gleiche Richtung. Sie kann Russen und Polen auch einander näher bringen …

Frage: … Russland hat am Montag Staatstrauer ausgerufen. Ein Neubeginn?