Das Parlament in Belfast wählte den Politiker David Ford zum Justizminister, nachdem die Zuständigkeit um Mitternacht formal von der Regierung in London an die britische Provinz übergegangen war. Bei dem in der Nacht zuvor verübten Terroranschlag wurde ein Mensch leicht verletzt. "Das ist ein bedeutender Tag für Nordirland", sagte Ford von der nicht-konfessionellen Allianzpartei, auf den sich die katholische Sinn Féin und die Protestantenpartei DUP geeinigt hatten.

Die Übergabe der Zuständigkeit für Polizei und Justiz an Belfast bildete den Abschluss der nach dem Karfreitagsabkommen 1998 eingeleiteten, schrittweisen Übertragung von Verwaltungshoheiten an Nordirland. Das nordirische Parlament hatte Anfang März einer Polizei- und Justizreform zugestimmt und damit den langen Weg der britischen Provinz zur Selbstverwaltung abgeschlossen.

Zuvor hatte die Provinz bereits die Kontrolle im Bildungs- und Gesundheitsbereich übernommen. Polizei und Justiz galten allerdings wegen der konfliktreichen Vergangenheit Nordirlands als besonders heikle Bereiche. In dem mehr als drei Jahrzehnte dauernden Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, der 1998 durch das Karfreitagsabkommen beendet wurde, kamen mehr als 3500 Menschen ums Leben.

Der Sprengsatz explodierte um 00.24 Uhr Ortszeit nahe der Zentrale des britischen Geheimdienstes MI5. Er sei in einem zuvor entführten Taxi deponiert worden und hinter der Palace-Kaserne in Holywood hochgegangen, hieß es von der Polizei. Ein älterer Mann sei durch die Wucht der Explosion umgeworfen und in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Schlimmeres konnte verhindert werden, weil es vorher eine Warnung gegeben hatte. Rund 40 Menschen mussten mitten in der Nacht ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden.

In der ehemaligen Kaserne der britischen Armee am Stadtrand von Belfast sind inzwischen Hunderte Mitarbeiter des MI5 untergebracht. Inzwischen hat sich die radikale republikanische Real IRA, eine Splittergruppe der ehemaligen Terrorgruppe IRA, zu dem Anschlag in der britischen Konfliktregion bekannt.

Politiker beteuerten, der neue Anschlag – einer von mehreren in den vergangenen Monaten – werde den Friedensprozess nicht aufhalten. Die Gegner des Friedens hätten keine Unterstützung, sagte der britische Nordirland-Minister Shaun Woodward.

Erst im Februar war eine Bombe in der Stadt Newry hochgegangen und hatte ein Gerichtsgebäude beschädigt. Im Januar war ein Polizist in der Grafschaft Antrim bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Vor rund einem Jahr wurden zwei britische Soldaten und ein Polizist von Terroristen erschossen. Auch damals war die Real IRA beteiligt.