Eroglu kam auf 50,38 Prozent der Stimmen und entschied damit bereits im ersten Durchgang die Wahl gegen Amtsinhaber Mehmet Ali Talat, der auf 42,8 Prozent der Stimmen kam, für sich. Da Eroglu bereits im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erzielte, entfällt eine Stichwahl. Der 72-jährige Eroglu, Vorsitzender der konservativen Nationalen Einheitspartei (UBP), ist derzeit Regierungschef der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern.

Eroglus Sieg könnte einen Rückschlag bei den Bemühungen um eine Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel bedeuten. Ohnehin kommen die 2008 begonnenen Gespräche über eine Wiedervereinigung nur schleppend voran. Präsident Talat suchte seit September 2008 mit dem Präsidenten der Republik Zypern, Dimitris Christofias, nach einer föderativen Lösung. Die Nationale Einheitspartei von Eroglu fordert dagegen eine Zwei-Staaten-Lösung. Der Streit um Zypern erschwert auch der Türkei eine weitere Annäherung an die EU.

Nach einem Putsch griechischer Nationalisten waren 1974 türkische Truppen im Norden der Insel einmarschiert. Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union. Das EU-Recht gilt aber vorerst nur im griechisch-zyprischen Süden der Mittelmeerinsel. Nur die Regierung in Ankara erkennt die Türkische Republik Nordzypern als Staat an. Noch heute sind in Nordzypern rund 35.000 türkische Soldaten stationiert.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte Eroglu auf, die Friedensgespräche mit den zyprischen Griechen fortzusetzen. Darin liege ein Grundsatz der türkischen Politik, sagte er in einem Interview des türkischen Nachrichtensenders NTV.

Auch Eroglu bemühte sich umgehend, Ängste zu zerstreuen. "Niemand soll denken, dass ich den Verhandlungstisch verlasse, die Vorgespräche werden fortgesetzt", sagte Eroglu dem Sender. Er werde sich für eine Lösung einsetzen, "welche die Rechte meiner Gemeinschaft berücksichtigt". Dabei werde er "im engen Dialog mit dem Vaterland" Türkei vorgehen.

Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte Eroglu die Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung jedoch nicht aufrechterhalten können. Die Türkei verlangt vor dem Hintergrund ihrer EU-Beitrittsbemühungen eine Fortsetzung des Aussöhnungsprozesses auf Zypern, das seit dem 1. Mai 2004 EU-Mitglied ist.

Im griechischen Teil Zyperns äußerten sich politische Vertreter dennoch besorgt um den Fortgang der Wiedervereinigungs-Verhandlungen. "Die Wahl Eroglus ist zweifellos eine negative Entwicklung wegen seiner Thesen. Was jetzt Vorrang hat, ist zu sehen, wie wir auf dieser neuen Basis arbeiten und Lösungen suchen", sagte der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou. Andros Kyprianou, Generalsekretär der linken Partei AKEL, sprach von "neuen, sehr negativen Gegebenheiten".

Der Präsident der kleinen Sozialistischen Partei EDEK, Giannakis Omirou, sagte: "Das Ergebnis erzeugt neue Tatsachen. (...) Wir gehen wohl in die Sackgasse." Averof Neofytou, Vizepräsident der konservativen, zweitgrößten Partei DISY (Demokratische Gesamtbewegung) sagte: "Wenn wir mit Talat schon keine Ergebnisse hatten, wie kann man jetzt hoffen, dass es mit Eroglu weitergeht."