In den Atomstreit mit Iran könnte Bewegung kommen: Die Präsidenten Hu Jintao und Barack Obama hätten verabredet, dass die zwei Delegationen gemeinsam an Sanktionen gegen Iran arbeiten sollen, sagte Obamas Ostasien-Berater Jeff Bader auf dem Washingtoner Atomgipfel. Laut Bader sind die Chinesen "bereit, mit uns zu arbeiten". Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes fügte hinzu: "Wir erwarten eine Resolution noch im Frühjahr, es könnte jetzt eine Frage von Wochen sein."

Ein Sprecher Hus bestätigte, die USA und China "verfolgen in der iranischen Atomfrage das gleiche Ziel". China hatte sich bisher gegen eine vierte Sanktionsrunde gesträubt.

Auf dem Atomgipfel trafen sich auch die außenpolitischen Berater der USA, Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands, um über das Thema zu beraten. Der April sei eine "entscheidende Phase" für eine neue UN-Resolution, hieß es aus Berliner Regierungskreisen.

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass im Mai der Libanon für einen Monat den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat übernimmt. Westliche Diplomaten erwarten, dass dann keine Abstimmung über eine Sanktionsresolution auf die Tagesordnung gesetzt werden kann.

Sorgen dürfte dem US-Präsidenten auch die Lage in Pakistan bereiten. Seit Jahren fürchtet man im Westen, islamistische Extremisten könnten langfristig die Kontrolle über die Atomwaffen Pakistans erlangen.

Nun sah sich Premierminister Yousuf Raza Gilani gezwungen, das Gerücht, sein Land wolle die Produktion von atomwaffentauglichem Brennstoff ausweiten, als "nicht wahr" zurückzuweisen. Gilani sagte CNN, sein Land wetteifere nicht mit Indien um die Herstellung von Atomwaffen.

Die New York Times hatte zuvor unter Berufung auf Geheimdienst-Satellitenaufnahmen gemeldet, für eine "zweite Generation" von Nuklearwaffen baue Pakistan drei neue Atomanlagen.

Hintergrund sei das indisch-amerikanische Abkommen zur Zusammenarbeit im zivilen Nuklearbereich: Die Lieferung von Brennstoff und Atom-Technologie aus dem Ausland ermögliche Pakistans Erzfeind Indien, ältere zivile Nukleareinrichtungen zu militärischen Zwecken umzuwidmen. Pakistan fühle sich dadurch bedroht und rüste im Gegenzug selber auf.

Der US-Präsident verzeichnete jedoch auch handfeste Erfolge. Kurz vor der Eröffnung des Gipfels hat die Ukraine – Schauplatz der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – ihren vollständigen Verzicht auf hoch angereichertes Uran angekündigt. Präsident Wiktor Janukowitsch sagte Obama zu, das waffenfähige Nuklearmaterial, das zum Bau mehrerer Atombomben ausreichen würde, bis zum Jahr 2012 unschädlich zu machen.

Kanada gab bekannt, es wolle Bestände an hoch angereichertem Uran zur sicheren Verwahrung in die USA überführen. Das Nuklearmaterial solle im Nachbarland für den Einsatz in Waffen unbrauchbar gemacht werden, sagte der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte ein gemeinsames Rechtssystem an, um Atommaterial vor dem Zugriff von Terroristen zu schützen. Es existierten keine juristischen Mechanismen, mit denen die Staaten belangt werden könnten, die Nuklearmaterial an terroristische Organisationen weitergeben. "Wir brauchen also eine internationale Rechtssicherheit."

Merkel forderte, internationale Organisationen wie die Atomenergiebehörde IAEA zu stärken. Diese solle ermitteln, welches Land die besten Systeme zur Kontrolle im Umgang auch mit niedrig angereichertem Uran habe.

Die Kanzlerin drang darauf, nicht nur über die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu reden, sondern auch über die Sicherung schwach radioaktiver Abfälle. "Auch schwach radioaktives Atommaterial aus Krankenhäusern, der Medizintechnik, der Landwirtschaft und der Industrie bilden eine Gefährdung, wenn sie in die falschen Hände geraten."

Am Dienstag will der Gipfel eine Erklärung zur Atomsicherheit beschließen, die Richtlinien und Selbstverpflichtungen für die kommende Jahre aufstellen soll. Obama hatte als Zielmarke genannt, dass die internationale Gemeinschaft in vier Jahren Kontrolle über das gesamte spaltbare Material haben müsse. Damit soll verhindert werden, dass es Terroristen in die Hände fällt.