Erst die Gesundheitsreform, dann das Abrüstungsabkommen New Start: Man würde annehmen, dass Barack Obama nach einem unglaublichen Sieg zu Hause und einem hübschen Erfolg in der Außenpolitik deutlich in der Gunst des Volkes steigen würde. Die Überraschung: Seine Zustimmungswerte sind im März weiter gefallen.

Daraus darf man schließen, erstens, dass außenpolitische Erfolge zu Hause längst nicht so viel bringen, wie demokratische Politiker glauben. Sie könnten demnach ruhig auf diese oder jene Reise und so manchen Gipfel verzichten.

Zweitens: Selbst der Triumph in einer sehr schwierigen und ungewissen Schlacht daheim – wie in dieser hart umkämpften Gesundheitsreform – rüttelt nicht an den großen Trends. Die Grafik zeigt, dass Obamas Zustimmung im März sogar leicht gefallen ist. Das heißt: Die Gesundheitsreform bleibt unpopulär. Das lässt sich auch beweisen. Eine Woche nach der Verabschiedung haben 54 Prozent der Wähler zu Protokoll gegeben: Das Gesetz muss abgeschafft werden.

Grundsätzlich zeigt der dauerhafte Abwärtstrend, wie gefährlich es für einen Wahlkämpfer sein kann, die eigene Person zur Projektionsfläche zu machen, also als weltlicher Messias aufzutreten, der alle Hoffnungen der Wähler auf sich vereint. Logischerweise wird er diese in der realen Welt der Politik, wo es um harte Macht und miese Kompromisse geht, enttäuschen. Folglich der Abwärtstrend.

Positive Bewertung des Präsidenten (Monatsdurchschnitt). Befragt wurden 15.000 potenzielle Wähler (plus/minus 1 Prozent)

Der lässt sich auch an anderer Stelle bemessen, nämlich in der amerikanischen Version der "Sonntagsfrage": Welcher Partei im Kongress neigen Sie zu? Bekanntlich lagen die Republikaner am Ende der Ära Bush am Boden; in beiden Häusern halten die Demokraten heute eine satte Mehrheit.