In Ungarn sind die Sozialisten nach acht Regierungsjahren abgewählt worden. Die Rechte gewann die Parlamentswahl deutlich. 52,8 Prozent der Wähler stimmten für den rechtskonservativen Bund Junger Demokraten (Fidesz) des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Die regierenden Sozialisten wurden mit 19,29 Prozent abgestraft.

Erstmals zog die rechtsextreme Jobbik-Partei mit einem Stimmanteil von 16,71 Prozent ins Parlament in Budapest ein. Die 2003 gegründete, für ihre rassistischen, antisemitischen und Roma-feindlichen Positionen bekannte Partei hatte bei den Europawahlen im Juni 2009 bereits knapp 15 Prozent der Stimmen gewonnen.

Wenn auch auf Platz zwei, waren die regierenden Sozialisten die großen Wahlverlierer. Sie hatten 2006 noch 43,21 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Überraschend kam die linke Umweltpartei LMP mit 7,42 Prozent der Stimmen deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde. Rund 8,3 Millionen Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,29 Prozent und damit etwas niedriger als im ersten Durchgang vor vier Jahren. Angesichts der langen Schlangen vor den Wahllokalen ordnete die Landeswahlbehörde an, die Lokale um mehrere Stunden länger geöffnet zu lassen.

Der Rechtsruck war in allen Umfragen vorausgesagt worden. Der charismatische Orbán hatte mit seinen populistischen Wahlversprechen den Nerv vieler Bürger getroffen. Im Wahlkampf versprach der konservative Politiker, er wolle die ungarische Wirtschaft "wieder auf Vordermann bringen", im Gesundheitssystem für Ordnung sorgen und für die öffentliche Sicherheit garantieren. Um diese Ziele zu erreichen, sollten die Steuern gekürzt und innerhalb eines Jahrzehnts eine Million neue Jobs geschaffen werden.

Erst vor eineinhalb Jahren musste Ungarn mit Krediten des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Europäischen Union vor der Pleite bewahrt werden. Die Minderheitsregierung des scheidenden Ministerpräsidenten Gordon Bajnai verordnete dem Land deshalb eine Sparkur: die Steuern stiegen, Regierungshilfen sanken. Das 13. Monatsgehalt wurde gestrichen, und auch die Rentner mussten Einschnitte hinnehmen. Zwar konnte das immense Staatsdefizit durch die Einsparungen der öffentlichen Ausgaben gedrosselt werden. Die Einschnitte, die die Wähler im täglichen Leben spüren, sorgen aber für Zulauf bei den rechten Parteien.

Der parteilose Ministerpräsident Bajnai hatte die sozialistische Minderheitsregierung seit dem Bruch der Regierungskoalition im April 2009 geführt; er hatte keine Kandidatur angestrebt. Orbán war bereits von 1998 bis 2002 Regierungschef und mit 35 Jahren der jüngste konservative Ministerpräsident in Europa.

Der Fidesz-Partei sind mit dem ersten Wahldurchgang bereits 206 der insgesamt 386 Abgeordnetenmandate sicher. Ob die Konservativen die für Verfassungsänderungen erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen, wird sich erst im zweiten Wahldurchgang am 25. April entscheiden. Dann stimmen die Wähler in den Bezirken ab, in denen kein Kandidat im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erzielte. In Ungarn sind Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht kombiniert.