Der Wald in Smolensk ist für das polnische Parlament ein "Ort des polnischen Dramas" geworden. Der durch den Flugzeugabsturz vom Samstag entstandene Verlust könne gar nicht ersetzt werden, heißt es in einer Erklärung der beiden polnischen Parlamentskammern. Zu den 96 Todesopfern zählen neben Präsident Lech Kaczyński auch insgesamt 18 Abgeordnete.

Während einer bewegenden Zeremonie nannten Vertreter der Fraktionen die Namen der verstorbenen Kolleginnen und Kollegen. Auf den Plätzen der Toten wurden ihre Fotos mit Trauerflor sowie Blumen gestellt. Auf dem Präsidentensitz lagen ebenfalls Trauerflor und ein Blumenstrauß. Vor Beginn der Sondersitzung kondolierten viele Abgeordnete Jarosław Kaczyński, dem Zwillingsbruder des verunglückten Staatspräsidenten.

Die Abgeordneten bedankten sich zudem bei Russland für die erwiesene "Empathie und Solidarität". Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski bat alle im Parlament vertretenen Parteien, ihm zu helfen, "den Staat durch die schwere Zeit zu führen."

Komorowski hat nach dem Tod Kaczyńskis die Geschäfte des Staatsoberhauptes übernommen und tritt zudem als Kandidat zur Präsidentenneuwahl an. Der Termin soll bekannt gegeben werden. Viele Beobachter gehen inzwischen davon aus, dass sich Jarosław Kaczyński ebenfalls um die Nachfolge seines Bruders bemühen wird.

Vor Beginn der Parlamentssitzung hatten in Warschau Tausende Menschen der ebenfalls in Smolensk verunglückten Präsidentengattin Maria Kaczyńska das letzte Geleit gegeben. Am Sonntag soll das Ehepaar in der Wawel-Burg in Krakau beerdigt werden. Einen Tag zuvor ist ein Staatsakt für alle 96 Absturzopfer geplant.