Wremja Nowostej (Moskau): "Test für Warschau und Moskau"

"Der Unfalltod Kaczynskis ist für Polen und Russland wegen ihrer komplizierten historischen Beziehungen besonders schwierig. Der bei Smolensk gelegene Ort Katyn ist für Polen ein Symbol einer nationalen Tragödie. Nun wurde Katyn - wenn auch unabsichtlich - zum Ort einer weiteren Katastrophe. Das jüngste Unglück zwingt jetzt Moskau und Warschau zur Zusammenarbeit. Es wird zum echten Test in Sachen Gewissenhaftigkeit und Taktgefühl.

Schon der geringste Eindruck, dass Russland nicht an einer lückenlosen Aufklärung des Absturzes interessiert sein könnte, wird in Polen Erinnerungen an das Frühjahr 1940 hervorrufen. Erst vor wenigen Tagen haben die Regierungschefs beider Länder, Wladimir Putin und Donald Tusk, mit einer gemeinsamen Zeremonie in Katyn einen Schritt aufeinander zu gemacht. Die ganze Dramatik des Ortes wird offenbar, da sich beide kurz darauf erneut dort trafen - aus einem anderen tragischen Anlass."

The Times (London): "Der Schmerz Polens"

"Michail Gorbatschow hat vor 20 Jahren das Massaker von Katyn anerkannt. Doch vielfach wird noch behauptet, dies sei ein Verbrechen der Deutschen gewesen. Auch Wladimir Putin, der scheinbar die russische Beteiligung akzeptiert, hat es wiederholt abgelehnt, Bedauern zu äußern, was in Polen zu Feindseligkeit führte. Doch vor einer Woche wurde im russischen Staatsfernsehen Katyn ausgestrahlt, ein Oscar-nominierter polnischer Film über das Massaker, der, als er 2007 neu herauskam, von den staatlichen Medien in Russland verspottet und von Kinobetreibern boykottiert wurde. Drei Tage vor dem Flugzeugabsturz hat Putin als erster russischer Regierungschef an einer Gedenkfeier für Katyn teilgenommen, zusammen mit seinem polnischen Kollegen Donald Tusk."

Trouw (Amsterdam): "Kaczynski ärgerte Moskau" 

"Der Absturz illustriert auf bittere Weise die Eigenwilligkeit von Präsident Lech Kaczynski. Er trat hart gegenüber Moskau auf, das den Massenmord durch Sowjettruppen an polnischen Militärangehörigen bei Katyn jahrzehntelang Deutschland in die Schuhe schob. Auch nachdem Russland eine Kehrtwende machte, hielt Kaczynski an einer eigenen Gedenkveranstaltung fest. Er trotzte Moskau auch im Jahr 2008, als er nach Georgien flog, um dort nach der russischen Invasion in den aufständischen Regionen Abchasien und Südossetien seine Solidarität zu bekunden. Dabei zwang er den Piloten zu landen, obwohl Russland allen Flugzeugen befohlen hatte, die georgische Hauptstadt Tiflis zu meiden. Eine Untersuchung muss zeigen, ob Kaczynski bei Smolensk erneut seinen Piloten zwang, das Schicksal herauszufordern."

Le Figaro (Paris): "Polnische Tragödie" 

"Polen hat lange Zeit unter der Lüge der Sowjetunion gelitten, die das Verbrechen von Katyn (der Ermordung von 22 000 polnischen Offizieren und Zivilisten) jahrzehntelang den Besatzungskräften Hitlers zugewiesen hat. Präsident Lech Kaczynski war kein großer Freund Russlands. Doch er wollte an diesem historischen Treffen zwischen beiden Ländern teilnehmen. Das sehr katholische und manchmal fatalistische Polen könnte nun denken, dass ein Fluch die Beziehungen zu Russland ein für alle Mal belastet. Doch diese Flugzeugkatastrophe im Wald von Smolensk sollte nicht die heilsame Annäherung zwischen beiden Ländern beenden. Die Europäer werden ihre Beziehungen zum Kreml nur dann stabilisieren, wenn das wichtigste Land Mitteleuropas seine Beziehungen zu Russland bereinigt."

 Nepszava (Budapest): "Smolensk, der doppelt verfluchte Ort"

"... Die Flugkatastrophe hat die polnische politische Kaste dezimiert, doch die gnadenloseste Finte des Schicksals ist es, dass auch mehrere Nachkommen der Opfer von Katyn dabei umkamen. Ihr Leben endete genau dort, wo das Leben ihrer Väter oder Großväter geendet hatte, nur dass ihren Tod nicht politische Willkür, sondern ein grausamer Zufall verursachte. Die Umgebung von Smolensk, wo sich vor sieben Jahrzehnten das Massenverbrechen ereignet hatte, wird den Polen nunmehr als ein doppelt verfluchter Ort im Gedächtnis bleiben."