Dass in verarmten Ländern wie Somalia, Kongo oder Afghanistan der Handel mit Drogen und Rohstoffen blutige Konflikt finanziert, ist hinlänglich bekannt. Das  Entwicklungshilfeorganisationen hier unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen, auch: "Will man vor Ort Hilfe leisten, muss man häufig mit bewaffneten Gruppen, Warlords und anderen zwielichtigen Partnern zusammenarbeiten", sagt Hugh Griffiths vom Stockholmer internationalen Friedensforschungsinstitut (SIPRI).

Ein wichtiger Berührungspunkt zwischen Helfern und Kriegsparteien sind dabei die Luftfrachtunternehmen, wie das schwedische SIPRI-Institut diese Woche in einer Studie aufgezeigt hat. Die Studie zeigt exemplarisch für elf Länder, wie kleine Fluggesellschaften ihr Geld mit dem Transport von Drogen und Waffen auf der einen, und humanitären Hilfsgütern auf der anderen Seite verdienen.

Betroffen sind davon fast alle großen internationalen Hilfsorganisationen. Die Website der kenianischen Fluggesellschaft BlueBird Aviation veranschaulicht das Problem. In der Sektion Kunden findet man neben den Vereinten Nationen, dem Internationalen Roten Kreuz und der amerikanischen Aufbauagentur USAID, auch die Botschaften Deutschlands, Englands und Norwegens. Dabei reicht bereits ein Blick auf Wikipedia, um festzustellen, dass BlueBird Aviation große Mengen der Droge Katt nach Somalia transportiert. Der Handel mit der Droge ist in der Hand somalischer Warlords und laut UN-Angaben eine der Hauptgeldquellen der somalischen Bürgerkriegsparteien.

Andere Fluggesellschaften transportieren Waffen und Munition in Konfliktzonen wie Darfur, die eigentlich einem Waffenembargo unterliegen. Damit machen sie die jahrelange Fortsetzung eines solchen Krieges möglich. Darüber hinaus haben die Fluggesellschaften oftmals unzureichende Sicherheitsstandards. Flugzeugabstürze mit mehreren Toten sind häufig, auch Entwicklungshelfer kommen immer wieder bei Unfällen ums Leben.

Das Problem ist, dass die Organisationen, die vor Ort arbeiten, oft keine Alternative haben. Nicht viele Airlines trauen sich, in Ländern wie Somalia zu fliegen. SIPRI macht den Hilfsorganisationen und Flugbetreibern daraus keinen Vorwurf, dafür kennen die Mitarbeiter des Instituts die Situation zu genau. Stattdessen haben sie ein pragmatisches Konzept erarbeitet, dass das Problem lösen soll: "Die Fluglinienbetreiber sind einfach nur Geschäftsleute. Wir wollen das Problem über Marktmechanismen lösen", sagt Griffiths.

Zu diesem Zweck hat das Institut das Internetportal EthicalCargo.com eröffnet, auf dem alle in Frage kommenden Fluggesellschaften und ihre Geschäftspraktiken aufgeführt werden. Die Liste soll jedoch nicht dazu verwendet werden, um entsprechende Unternehmen in Zukunft auszuschließen. Stattdessen bekommen Hilfsorganisationen Ratschläge, wie man mit solchen Unternehmen verhandelt. Es fließen große Summen internationaler Gelder. Für diese Summen sollen Hilfsorganisationen in Zukunft höhere Sicherheits- und ethische Standards einfordern.

"Auch in Dritte-Welt-Ländern gibt es Hotels und Restaurants mit hohen Standards, gepflegten Zimmern und sauberem Essen, da es die Mitarbeiter internationaler Organisationen fordern. Warum sollten solche hohen Standards nicht auch in der Luftfahrt möglich sein?", fragt Griffith. Die Fluggesellschaften bekämen einen Anreiz, in Zukunft keine Waffen und Drogen mehr zu transportieren, sowie ihre Sicherheitsstandards zu erhöhen.