Der Tanker Samho Dream aus Südkorea war auf dem Weg vom Irak in die USA. Noch im Indischen Ozean ist er nach Angaben des Außenministeriums in Seoul gekapert worden. Die 24 Besatzungsmitglieder werden als Geiseln festgehalten. Das 333 Meter lange Schiff habe Erdöl im Wert von 170 Millionen Dollar an Bord und hat laut Angaben eines Sprechers der Anti-Piraterie-Operation Atalanta Kurs auf Somalia genommen.

Anders als bei dem gekaperten deutschen Schiff MS Taipan, welches am Montag in einer spektakulären Aktion von niederländischen Spezialkräften befreit wurde, soll von einem solchen Einsatz diesmal abgesehen werden.

"Die normale Vorgehensweise in einem solchen Fall ist, das gekaperte Schiff zu verfolgen, zu überwachen und bei Möglichkeit Verhandlungen aufzunehmen", sagte der Atalanta-Sprecher ZEIT ONLINE.

Die niederländische Eliteeinheit konnte das deutsche Schiff stürmen, da sich die Besatzung zuvor in einen Panikraum gerettet hatte.

Laut dem Atalanta-Sprecher sei dies im Fall der Samho Dream jedoch nicht der Fall und ein Einsatz somit für die Geiseln zu gefährlich. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass die Piraten das Schiff zur somalischen Küste steuern werden, um dort zu ankern und Lösegeldforderungen zu stellen. Auf diese Weise erpressen die Piraten bereits seit einigen Jahren große Summen. Gleiches geschah auch mit dem Öltanker Maran Centaurus. Dieser war Anfang 2010 mit seiner Besatzung erst nach der Zahlung von bis zu sieben Millionen Dollar wieder freigelassen worden.

Neben der europäischen Atalanta-Mission, haben auch die Nato und einzelne Staaten wie Südkorea Kriegsschiffe in den Golf von Aden verlegt. Auch Deutschland beteiligt sich mit der Fregatte Emden an der Atalanta-Operation. Die multinationalen Verbände gingen in der Vergangenheit zunehmend erfolgreich gegen die Piraten vor, sagte der Atalanta-Sprecher. Diese sehen sich dadurch genötigt, aufs offene Meer auszuweichen.

Dies geschieht mithilfe von Mutterschiffen, die von kleinen, schnellen Beibooten begleitet werden. Wird ein Tanker gesichtet übernehmen die Beiboote den Angriff. Spürt ein Kriegsschiff der internationalen Kriegsmarine ein solches Mutterschiff auf, kann es für gewöhnlich nicht mehr tun, als die vorhandenen Waffen zu beschlagnahmen und die Beiboote zu zerstören. Die mutmaßlichen Piraten werden mit ausreichend Lebensmitteln versorgt und zurück nach Somalia geschickt. Für eine Verurteilung von einem afrikanischen Gericht ist die Beweislage meist nicht ausreichend. Die Verfahren werden in Kenia geführt.