Amtsinhaber Omar al-Baschir, der beschuldigt wird, für Kriegsverbrechen in der Region Darfur verantwortlich zu sein, erhielt nach Angaben der Staatlichen Wahlkommission 68 Prozent der Stimmen.

Seine beiden wichtigsten Herausforderer hatten wegen Befürchtungen von Wahlfälschungen kurzfristig ihre Kandidatur zurückgezogen. Bei der Präsidentenwahl im teilautonomen Südsudan siegte der frühere Rebellenführer und bisherige Amtsinhaber Salva Kiir mit 92 Prozent.

Bei den Wahlen stimmten die Sudanesen auch über ein neues Parlament ab. Die Wahl, deren Ergebnis noch nicht feststeht, galt als wichtiger Meilenstein im Friedensprozess nach dem 2005 beendeten Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südsudan. Internationale Wahlbeobachter hatten jedoch fehlende internationale Standards bei den ersten Wahlen im größten Land Afrikas seit 1986 moniert.

Menschenrechtsgruppen sprachen von Behinderungen und Einschüchterung der Opposition. Die Wahlen selbst verliefen trotz zahlreicher Verzögerungen und Pannen weitgehend friedlich.

Die Europäische Union bekräftigte ihre Kritik. In einer Erklärung der EU-Außenminister in Brüssel heißt es, sie seien besorgt über Mängel bei der Organisation der Wahl von Mitte April sowie bei der Stimmenauszählung. Die Minister begrüßten jedoch, dass die Wahlen "weitgehend friedlich" verlaufen seien.

Staatschef al-Baschir versprach, dass eine Abstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudan im Januar des kommenden Jahres abgehalten werde. "Ich versichere, dass das Referendum wie geplant stattfinden wird", sagte al-Baschir in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede.

Das geplante Referendum geht auf ein vor fünf Jahren zwischen der sudanesischen Regierung mit den Rebellen im Süden des Landes geschlossenes Friedensabkommen zurück. Das Abkommen vom Januar 2005 beendete den Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg zwischen dem muslimischen Norden und dem christlich und animistisch geprägten Süden des Landes.

In dem 21 Jahre dauernden Bürgerkrieg wurden 1,5 Millionen Menschen getötet und vier Millionen weitere in die Flucht getrieben. Zuletzt hatten zahlreiche Hilfsorganisationen vor einem neuen Krieg zwischen den beiden Landesteilen gewarnt. Erst am vergangenen Wochenende waren im Südsudan bei Kämpfen zwischen der Armee und arabischen Nomaden mindestens 55 Menschen getötet und 85 weitere verletzt worden.

Für al-Baschir, der sich 1989 an die Macht geputscht hatte, ging es bei den Wahlen auch um eine Untermauerung seiner Macht. Der internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte im vergangenen Jahr internationalen Haftbefehl gegen al-Baschir erlassen. Das Gericht will ihn als erstes amtierendes Staatsoberhaupt wegen Kriegsverbrechen in der westsudanesischen Konfliktregion Darfur zur Verantwortung ziehen. Noch während der Wahlen bemühte sich al-Baschir um die Einbindung der Opposition, die ihm den direkten Wettbewerb verweigert hatte, und bot eine Regierung der nationalen Einheit an.

Auf den zweiten Platz nach al-Baschir sei Jassir Arman, der Kandidat der im Südsudan regierenden Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung gekommen, hieß es bei der live im sudanesischen Staatsfernsehen übertragenen Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Arman hatte wie andere Kandidaten auch die Wahl boykottiert. Es war jedoch bereits zu spät, um die Wahllisten zu ändern, so dass viele Gegner al-Baschirs den Oppositionspolitikern dennoch ihre Stimme gaben. Dennoch hatte nach dem Rückzug der Gegenkandidaten alles auf einen hohen Sieg al-Baschirs hingedeutet.