Amerikanische Soldaten suchen nach einem Taliban, sie durchkämmen in der Nacht einen Häuserkomplex. Als sie Männer mit Gewehren entdecken, schießen die Isaf-Männer sofort und ohne Vorwarnung. Im Kugelhagel sterben fünf Zivilisten – darunter zwei Schwangere. Anschließend sollen die Soldaten versucht haben, ihre Spuren zu verwischen.

Erneut stehen Angehörige der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe für Afghanistan (Isaf) wegen der Tötung von Zivilisten in der Kritik. Der Vorfall ereignete sich bereits in der Nacht zum 12. Februar in der Nähe der Stadt Gardez im Südosten Afghanistans. Der Hergang wurde nun von der Nato bestätigt.

Bis zum Osterwochenende hatten Vertreter des Militärbündnisses von der Tötung zweier Aufständischer gesprochen. Die drei Frauen seien bereits vor der Razzia tot gewesen, behaupteten Offiziere der von der Nato geführten Isaf. Diese Darstellung stellte sich nach afghanischen Ermittlungen und der Recherche amerikanischer und britischer Journalisten als Täuschung – vielleicht sogar als bewusste Lüge – heraus.

Die Razzia entpuppt sich nun als Desaster: Amerikanische Spezialkräfte drangen in der Dunkelheit in einen Hof in der südöstlichen Provinz Paktia vor. Als zwei Männer mit Kalaschnikows in den Händen die Tür öffneten, eröffneten die amerikanischen Soldaten sofort das Feuer, berichtet die Tageszeitung New York Times. Vor den Schüssen gab es anscheinend keine Vorwarnung. Die Opfer sollen verdächtige Geräusche gehört und vermutet haben, dass Taliban um das Haus herum schleichen, schreibt die in Großbritannien erscheinende Times.

Die Isaf übernahm am Ostersonntag nun die Verantwortung für den Tod der fünf Zivilisten: ein 43-jähriger lokaler Polizeichef, sein Bruder, ein Staatsanwalt, eine 22- und eine 37-jährige Frau. Beide waren schwangere Mütter, die elf beziehungsweise vier Kinder hinterlassen. Unter den Opfern war zudem eine 18-Jährige.

Vermutlich wurden die Frauen, die hinter den Männern saßen, aus Versehen getroffen. Wie sie ums Leben kamen, sei heute nicht mehr feststellbar, sagte ein Isaf-Sprecher. Auf eine Autopsie habe man aus Rücksicht auf die Angehörigen verzichtet. Fest steht: Die Erschossenen waren keine Aufständischen und sympathisierten auch nicht mit den Taliban.

Wir wissen jetzt, dass die getöteten Männer lediglich ihre Familien beschützen wollten
Ein Isaf-Sprecher

Ein Isaf-Sprecher sagte, dass den Soldaten die Information einer glaubwürdigen Quelle vorgelegen habe. Demnach habe sich ein flüchtender Aufständischer in dem gestürmten Gebäude aufgehalten. "Wir wissen jetzt, dass die getöteten Männer lediglich ihre Familien beschützen wollten", sagte der Sprecher. Die Isaf setze den Dialog mit afghanischen Sicherheitskräften fort, um solche Fehler künftig auszuschließen.

Der Isaf-Trupp bestand aus Mitgliedern eines amerikanischen Spezialkommandos, der Elite der US-Streitkräfte, und afghanischen Soldaten. Die Isaf untersuchte den Fall. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Soldaten die Tötung der Schwangeren vor ihren Vorgesetzten und der Öffentlichkeit vertuschen wollten.