Von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert, tagte Anfang Mai in New York zum 18. Mal die UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung (Commission on Sustainable Development - CSD). Dieses eigentlich zukunftsweisende Gremium findet heute in den Medien kaum noch statt. Doch warum ist in der Öffentlichkeit das Interesse an der CSD abhanden gekommen und wie ist es um die Zukunft der Kommission bestellt? Die Kommission wurde im Jahr 1992 gegründet – also im Jahr des als Meilenstein geltenden Erdgipfels in Rio de Janeiro, auf dem die Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung (Rio Declaration on Environment and Development), die Rio-Konventionen zu Klimaschutz, Artenschutz und Wüstenbildung sowie die Agenda 21 verabschiedet wurden.

Hier wurde auch die Einrichtung einer Nachhaltigkeitskommission gefordert, die sich um die Folgeprozesse des Gipfels sowie die Implementierung der Agenda 21 auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene kümmern sollte. Die Gründung der CSD wurde wenig später durch die UN-Generalversammlung vollzogen, seither trifft sie sich jährlich. Für ihre diesjährige Zusammenkunft hatte sich die Kommission vier Schwerpunktthemen gesetzt: Bergbau, Transport, Chemikalien sowie nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster. Letzteres nahm in den Diskussionen zu Recht einen zentralen Stellenwert ein, da es die für eine nachhaltige Entwicklung zentralen Wechselwirkungen zwischen Ökonomie, natürlicher Umwelt und sozialen Werten adressiert.

Jedoch wurde unter dem Schlagwort "Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster" von den unterschiedlichen Teilnehmern eine solche Bandbreite von unterschiedlichen Themen diskutiert, dass die Debatten nur selten produktiv verliefen oder zu Ergebnissen führten. Während OECD-Staaten die Notwendigkeit eines Lebensstilwandel und die Möglichkeiten wie dieser erreicht werden kann erörterten, bezogen sich Israel oder Saudi Arabien auf ihre Erfahrungen bei der nachhaltigen Wassernutzung und wieder andere Staaten diskutieren die Einführung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster im Kontext von Armutsbekämpfung und der Erreichung ihrer allgemeinen Entwicklungsziele.

Schnittmengen gab es nur beim sogenannten Labelling: Während die Länder des Nordens die Etablierung von Umwelt- oder Nachhaltigkeits-Labels als unterstützende Maßnahme zur Einführung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster diskutieren, sahen die Länder des globalen Südens damit die Gefahr eines "grünen Protektionismus" aufziehen.

Neben den vier Schwerpunkten, die offiziell auf der Agenda standen, nahm das Thema Klimawandel den größten Raum in den Debatten ein – womit auch bereits einer der Gründe benannt ist, wieso die Treffen der UN-Nachhaltigkeitskommission kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit finden. Während das Klimathema in den vergangenen Jahren immer ganz oben auf der politischen Agenda stand, sind Umweltfragen und Aspekte der nachhaltigen Entwicklung in den Hintergrund geraten.

Andere Gründe haben mit der CSD selbst zu tun: Während die Kommission für Nachhaltige Entwicklung zunächst mit dem symbolischen Kapital des erfolgreichen Rio-Gipfels ausgestattet war und ihren Status auch nach der weitgehend ergebnislosen Johannesburg-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung (2002) erhalten konnte, hat sie in den folgenden Jahren deutlich an politischer Statur, Einfluss und letztlich auch an Ambitionen verloren. Insbesondere mit der Festschreibung von zweijährigen Implementierungszyklen für 14 (!) Jahre hat sie sich fast jeglicher Flexibilität beraubt, auf aktuelle und relevante Themen zu reagieren.

Zudem ist auftragsgemäß weniger die Etablierung eines Regelwerks Ziel der Kommission, als die Überprüfung der Implementierung von beschlossenen Maßnahmen und die Formulierung von Leitplanken. Darin kann auch eine Chance bestehen, doch hat die Kommission es in der Vergangenheit zu oft versäumt, die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Daher stellen viele – wie die Anzahl der abwesenden Minister sowie das fehlende Interesse der Medien belegen – heute nicht ganz zu Unrecht die Relevanz der Kommission infrage.