Demonstrantinnen im Kongo, die auf offener Straße vergewaltigt werden; Oppositionelle, die wegen Kritik an der Regierung in Iran oder in China für Jahre hinter Gitter wandern; eine junge russische Journalistin, die auf offener Straße erschossen wird; todkranke Menschen, die wegen der Blockade des Gaza-Streifens nicht rechtzeitig an die medizinische Hilfe kommen, die sie brauchen: Das sind Beispiele für die zahllosen Verstöße gegen die Menschenrechte im vergangenen Jahr, die die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem neuen Jahresbericht dokumentiert.

Amnesty untersuchte 159 Staaten – und stellte überall Verletzungen der Menschenrechte fest. Auch in Deutschland, wo Amnesty beispielsweise seit Jahren die Abschiebung von Asylbewerbern in Länder wie Tunesien oder Syrien kritisiert. Denn dort gebe es Folter in den Gefängnissen.

Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, berichtet über die Schicksale und die Aussichtslosigkeit für viele Opfer und ihre Helfer. "Düster" sei das Kapitel Afghanistan, sagt Lüke: Immer mehr Zivilisten kämen in dem Konflikt am Hindukusch ums Leben. Scharf kritisiert die Amnesty-Generalsekretärin den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai für seinen Plan, künftig mit den Taliban zusammenzuarbeiten. "Die Rechte von Frauen existieren für diese Leute nicht." Die Taliban griffen nach wie vor Mädchenschulen an. In dem instabilen Land dürfe die deutsche Bundeswehr außerdem keine Gefangene an afghanische Polizisten ausliefern, fordert Lüke. Niemand wisse, was ihnen dort widerfahre.

Auch in Iran würden Menschenrechte mit Füßen getreten, kritisiert Amnesty in seinem Report. Besonders stark habe sich dies nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 gezeigt. "Zeitweise waren bis zu 5000 Regimekritiker inhaftiert, es gab systematische Vergewaltigungen und bis zum Ende des Jahres 80 Schauprozesse gegen Oppositionelle und Demonstranten", berichtet Lüke.

"Auch die Wirtschaftskrise ist eine Krise der Menschenrechte", betont die Generalsekretärin und schildert ein Beispiel aus dem bitterarmen Land Kambodscha: "Die Textilarbeiterinnen verlieren in der Hauptstadt Phnom Penh ihren Job, sie müssen zurück aufs Land ziehen oder sie fangen in ihrer Not an, sich zu prostituieren." Insgesamt sind Lükes Angaben zufolge 2009 weltweit 53 Millionen Menschen in Armut geraten.

In mindestens 111 von 159 Ländern verzeichnet der Menschenrechts-Report Folter und Misshandlung, in 96 Ländern herrscht nur eine eingeschränkte Meinungsfreiheit, unfaire Gerichtsverfahren sind offenbar in 55 Ländern an der Tagesordnung, in 61 Ländern kommen viele Täter ohne Strafe davon.