Königin Elizabeth II. hat den Konservativen-Chef David Cameron zum neuen britischen Premierminister ernannt. Cameron habe das "Angebot ihrer Majestät angenommen und ihr anlässlich seiner Ernennung zum Premierminister die Hand geküsst", teilte der Buckingham Palast am Dienstagabend mit. Die Ernennung des britischen Premierministers findet traditionell in einer Kissing Hands genannten Zeremonie statt.

Er werde zusammen mit den Liberaldemokraten und deren Chef Nick Clegg eine Koalition bilden, sagte Cameron vor Downing Street Nummer 10, dem Wohnhaus des Premiers, an der Seite seiner schwangeren Frau Samantha.



Cameron ist mit 43 Jahren der jüngste Premierminister Großbritanniens seit 1812. Cameron war 2005 auf den Chefsessel der Tories gerückt. Er hatte seine Partei modernisiert und vom alten Image der harten Jahre unter Premierministerin Margaret Thatcher befreit.
 

Kurz nach seiner Amtsübernahme hat der neue Regierungschef erste Schlüsselpositionen seines Kabinetts besetzt. Der Chef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, wird in der neuen britischen Regierung Vize-Premierminister. Die Queen habe seine Ernennung gebilligt, bestätigte die Downing Street in der Nacht. Das Amt wird in der britischen Regierung nicht immer vergeben. Der 43 Jahre alte Clegg darf Premier Cameron nun in Abwesenheit vertreten.

Nach Angaben seiner Konservativen Partei ernannte Cameron den früheren Parteichef der Tories, William Hague, zum Außenminister. Der 49-Jährige stand lange Zeit der EU skeptisch gegenüber, vertritt jedoch seit einiger Zeit eine deutlich gemäßigtere Haltung. Cameron hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, dass auf keinen Fall mehr Macht von London auf Brüssel übertragen werden soll.

Finanzminister in der neuen Koalitionsregierung von Konservativen und Liberaldemokraten wird der finanzpolitische Sprecher der Tories, George Osborne. Der 38-Jährige gilt als enger Freund Camerons. Fast seine gesamte berufliche Karriere verbrachte er in der Politik. Kenner loben ihn als klugen Kopf, Vertreter der Finanzwelt äußern sich jedoch wegen seiner relativ geringen Erfahrung besorgt. Als Finanzminister kommt ihm die schwierige Aufgabe zu, Großbritannien aus der Rezession zu führen.

Britische Medien berichten übereinstimmend, dass der Konservative Liam Fox neuer Verteidigungsminister wird. Zudem sollen die Konservativen und die Liberalen vereinbart haben, dass das britische Unterhaus nun zu einem festen Zeitpunkt alle fünf Jahre gewählt werden soll. Bisher durfte der Premierminister den Termin des Urnengangs innerhalb einer Wahlperiode von fünf Jahren selbst festlegen.

Camerons Vorgänger Brown hatte sich am Dienstag nach gescheiterten Koalitionsgesprächen mit den Liberaldemokraten zum sofortigen Rücktritt entschlossen und damit den Weg für die Konservativen an die Macht freigemacht.

Bei der Wahl am vergangenen Donnerstag hatte keine Partei eine absolute Mehrheit bekommen. Die Tories waren aber stärkste Partei geworden. Labour verlor dramatisch. Deshalb war eine Koalition nötig geworden. Auch Labour hatte mit den Liberalen verhandelt, doch war zu keinem Ergebnis gekommen .

Brown sagte, er trete mit sofortiger Wirkung auch als Chef der Labour-Partei zurück. Labour-Vizechefin Harriet Harman werde die Ämter kommissarisch übernehmen. Während des Statements stand seine Ehefrau Sarah an seiner Seite. Zusammen mit ihren beiden Kindern verließen sie dann die Downing Street. Freunde von Brown berichteten, er wolle auch als Abgeordneter zurücktreten und sich aus der Politik verabschieden.

Kurz nach der Rücktritts-Ankündigung fuhr er zusammen mit seiner Frau Sarah von der Downing Street Nummer 10 zur Königin, die ihn aus dem Amt entließ.

Die Ära von "New Labour" hatte 1997 mit der Wahl Tony Blairs zum Premier begonnen, der seine Partei von Grund auf erneuerte. Brown hatte das Amt 2007 übernommen, war aber nicht vom Volk gewählt worden.

Als eine der ersten gratulierte in der Nacht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem neuen Premier. Sie lud Cameron ein, sobald wie möglich nach Berlin zu kommen. Auch US-Präsident Barack Obama griff zum Hörer und lud den neuen Regierungschef für Juli in die USA ein. Er freue sich darauf, ihn im Juni beim G-8- und G-20-Gipfel zu treffen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy forderte Cameron auf, sich als Premier für die europäische Sache einzusetzen.